12 böse Gute-Nacht-Geschichten: "Der Müllmann"

Als immer mehr Kinder verschwanden, geriet der Müllmann in Verdacht.

Denn im Grunde war der Fremde, der unter einer Brücke lebte, den Bürgern von Ahaus bereits seit seinem plötzlichen Auftauchen komisch vorgekommen. Aber wie es sich für brave Leute gehört, benahmen sich die Kleinstädter zivilisiert und tadellos – bis zum 7. Juli.

An diesem Tag nämlich tauchte die kleine Greta Jansen nicht in der Grundschule auf, obwohl die Siebenjährige ihr Elternhaus pünktlich um 7.30 Uhr verlassen hatte. Und weil man das blonde Mädchen später weder im Wald noch auf irgendeinem Heuboden und erst recht nicht tot in einem Bachlauf fand, und aus quälenden Tagen Wochen wurden, keimten Angst und Misstrauen. 

Drei Wochen später, am 1. August, verschwand der kleine Jakob Schmitz während eines Ausflugs mit den Messdienern.

Nun flüsterten die ersten Bürger, dass das Böse nach Ahaus gekommen war und es sich dabei um den Müllmann handeln musste – denn, so die Logik der Bürger, schließlich habe es in der Kleinstadt vorher außer ein paar Einbrüchen (in den Wintermonaten) und ein paar Schlägereien (auf Landjugendfesten) und einem versehentlichen Totschlag (nach einem Streit) niemals verschwundene Kinder gegeben.

„Aber seit der Müllmann unter der Brücke lebt“, raunte die Bäckerin am Morgen nach dem Verschwinden des kleinen Niklas Bauer, der sich als nächstes Kind in Luft auflöste, und an einem Septemberabend nicht von der örtlichen Kirmes heimkehrte, „klaut jemand unsere Kinder – und wer, mal ehrlich, wenn nicht er, kann das getan haben? Schließlich ist der unheimliche Kerl neu in unserer Stadt! Und überhaupt, warum schläft er unter der Brücke? Und warum steht er, sobald Passanten kommen, beschützend neben seinen Tonnen - ganz, als würde er unsere Kinder dort drinnen verbergen?“

Ja, am Morgen nach dem Verschwinden des rothaarigen Niklas hetzte die Bäckerin so sehr gegen den Fremden, dass sie sämtliche Hausfrauen mit ihrem Verdacht infizierte, woraufhin sich auf dem Marktplatz und bei Kaffeekränzchen und beim Frisör die Unterstellung unter den Frauen fortpflanzte, dass der unheimliche Müllmann schuldig sein musste – bis die Feststellung der Schuld sogar ihre Gatten und Söhne und Väter alarmierte, die alsbald auf Schulhöfen und Baustellen und Parkbänken auf den Müllmann schimpften.

Doch auch die Honoratioren der Stadt überlegten, was man gegen den Fremden tun konnte.

Der Kommissar überprüfte den Müllmann – und stellte resignierend fest, dass sich ihm nichts anhängen ließ. „Ich kann den Kerl nicht einsperren“, seufzte er im Kollegenkreis.

Der Bürgermeister erkundigte sich bei der Kreisverwaltung, ob man den Müllmann loswerden konnte – und musste sich belehren lassen, dass man einen Fremden, bloß weil er unheimlich wirkte und sich unter einer Brücke eingenistet hatte, nicht einfach aus der Stadt werfen durfte.

Der Pfarrer indes, dem seine Schäfchen Tag und Nacht ihre anschwellenden Ängste klagten, und in dessen Kirche die Gemeinde plötzlich enger zusammenrückte, ging persönlich zur Brücke – und trat dem Müllmann mutig entgegen. Doch nachdem ihm der Obdachlose versicherte, dass er keinesfalls beabsichtigte, weiterzuziehen, weil er nichts mit dem Verschwinden der Kinder zu tun hätte, predigte der Geistliche beim nächsten Sonntagsgottesdienst von der Kanzel: „Wir müssen Nächstenliebe ausüben.“

Ja, die Bürger von Ahaus grollten und murrten, doch weder die Burschen noch die Männer attackierten den seltsamen Müllmann.

Denn niemand wollte eine Hexenjagd - verschwundene Kinder hin oder her.

Deshalb musste eine Ausgangssperre nach Einbruch der Dunkelheit vorerst ausreichen.

 

In der Nacht nach Halloween fror der Müllmann unter der Brücke.

Sein Magen war leer, seine Hände kalt und klamm.

In der Nacht zuvor waren die Temperaturen unter null gefallen, doch obwohl die Bürger der Stadt wussten, dass es unter der Brücke keine Heizung gab, hatten dem Müllmann weder die Christinnen noch die Hausfrauen eine warme Suppe gebracht.

Der Müllmann starrte ernüchtert ins Leere.

Rechts führte die Unterführung zum Wäldchen, links zu einem Wohngebiet.

Über die Brücke verlief die Schnellstraße – und aus der Ferne hörte er Kinder.

„Süßes oder Saures?“, piepsten ihre Stimmchen, und während der Müllmann zum dunklen Wald schaute, und an die verschwundenen Kinder dachte, erinnerte er sich wieder, dass er furchtbare Angst vor dem aufkeimenden Groll der Bürger gehabt hatte.

Aber weil im Monat Oktober kein weiteres Kind verschwunden war, hatten ihn der Bürgermeister und der Pfarrer und die Bäckerin schließlich widerstrebend in Ruhe gelassen – und mehr noch: sie machten einen großen Bogen um die Brücke und die Unterführung.

Als wäre er aussätzig.

Als sei er ein Mörder.

Ein Kinderfresser.

Ein Serienkiller.

Eigentlich hätte der Müllmann den Bürgern allzu gern gesagt, dass er die Kinder – vor ihrem Verschwinden – tatsächlich gesehen hatte.

Doch dazu fehlte ihm der Mut.

Der Müllmann kombinierte nüchtern, was er in den letzten Monaten beobachtet hatte.

Im Juli hatte er Greta Jansen beim Blumenpflücken am Bachlauf gesehen.

Im August nahm der Müllmann wahr, dass Jakob Schmitz – mitsamt seiner Pfadfinderuniform – in den Wald ging.

Und der kleine Niklas Bauer war im September – begleitet von einem pickligen Teenie – kichernd über die Brücke gegangen.

Ja, der Müllmann hätte den Bürgern durchaus sagen können, dass er die Kinder gesehen hatte.

Aber würden man ihm glauben, dass er nichts mit ihrem Verschwinden zu tun hatte?

Der Müllmann konnte sich das nicht vorstellen.

Denn er ahnte, dass die AfD-Sympathisanten seine Nationalität bereits hatten überprüfen lassen.

Und er malte sich aus, dass die Frauen ihren Männern erzählten, dass sich extrem vor ihm fürchteten.

Doch als wäre das noch nicht genug, spürte er obendrein, dass ihn die Kerle am liebsten verprügelt – und mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt – hätten.

Gegen all das war er machtlos.

Doch er konnte die Augen aufhalten.

Und das tat er.

Auch in der Nacht nach Halloween.

 

Als die Tochter der Bäckerin in der Halloweennacht verschwand – das fünfjährige Mariechen Müller war mit seiner Schwester und anderen Kindern durch Ahaus gelaufen, aber nicht mehr nach Hause gekommen – nahm das Unheil seinen Lauf.

Um 20.30 Uhr rief die besorgte Mutter bei der Polizei an.

Um 20.45 Uhr informierte der Kommissar den Bürgermeister.

Und um 21 Uhr wusste auch der Pfarrer Bescheid.

Suchmannschaften durchstreiften die Wälder.

Hunde bellten in der Nacht.

Und besorgte Mütter und Väter liefen schnurstracks zur Unterführung, wo der Müllmann sie mit vor Angst geweiteten Augen anstarrte.

„Wer bist du?“, rief eine Grundschullehrerin.

„Was versteckst du in deinen Mülltonnen?“, wütete der Zahnarzt.   

„Und wann verpisst du dich endlich aus Ahaus?“, rief die Vorsitzende des Hausfrauenclubs, bevor sie ihren ganzen Mut zusammennahm, und dem furchteinflößenden Müllmann entgegentrat, und direkt in seine kalten Augen starrte, und sofort danach fröstelte, weil er ihren blauen Augen standhielt.

Sein Gesicht war lang und schmal.

Seine Haare lang und weiß.

Und seine Finger lang und stark.

Ja, der arme Kerl versuchte seine Tonnen zu beschützen, und mehr noch, zu verhindern, dass eine Steuerberaterin und der Leiter der Stadtbibliothek und der Juwelier beide öffneten und umwarfen, als würden sie allen Ernstes erwarten, darin leblose Kinder zu finden.

Denn natürlich war Mariechen Müller nicht in seiner Mülltonne!
Und natürlich fand man weder Locken noch Hefte mit Rechenaufgaben und noch nicht mal Unterhosen von Greta und Jakob und Niklas.

Aber die Leute benahmen sich wie Bestien – und der Müllmann fragte sich bereits, ob er die Nacht überleben würde, als sein Blick plötzlich auf den pickligen Teenager fiel, den er wenige Wochen zuvor mit dem rothaarigen Niklas gesehen hatte.

Der Müllmann wollte auf den Pickligen deuten, doch bevor er seine zitternde Hand erheben konnte, traf ihn bereits der erste Schlag, und eine Flasche zerbrach auf seinem Kopf, und dann verschwand die Welt im Nichts.

 

Als der Müllmann erwachte, lag er in einem Keller.

Gefesselt und geknebelt konnte er sich keinen einzigen Millimeter bewegen.

„Wo sind die Kinder?“, fragte die Kleinstadtärztin, während sie seinen Daumen mit einer Knoblauchpresse zerquetschte.

Der Müllmann wimmerte.

Doch er gab ihr keine Antwort.

„Was hast du mit ihnen gemacht?“, fragte die Leiterin der Volkshochschule, während sie den Müllmann mit heißen Nadeln stach.

Der Fremde stöhnte.

Doch er schwieg weiter.

„Rede endlich“, keifte Mariechens Mutter, und hielt dem Müllmann ein Messer an die Kehle.

Doch der Obdachlose war wie gelähmt.

Und selbst, nachdem ihn die Ärztin und die Lehrerin und die Mutter folterten – und ihn lebensgefährlich verletzten, und er vor Schmerzen nicht mehr sprechen konnte, und der Fleischer dem Obdachlosen mehrmals vor den Kopf trat, sagte er nicht, wo die Kinder waren.

Und bestimmt wäre er heute tot, wenn nicht der Pfarrer in den Keller gestürmt wäre – und lauthals rief: „Aufhören, liebe Leute! Unser Mariechen ist zurück! Das Mädchen hat sich bloß verlaufen!“   

 

Mitte November wurde der Müllmann aus der Klinik entlassen – und die Stadt entschuldigte sich.

Als Erstes rückte der Hausfrauenclub an.

Die Christinnen schenkte dem Müllmann zwei neue Tonnen, die randvoll mit Kleidung gefüllt waren – frisch, gebügelt und gestärkt.

Und sie brachten täglich Suppen.

Danach kam der Pfarrer.  

Er gab dem Müllmann Gottes Segen.

Und zuletzt sicherte der Bürgermeister dem Müllmann ein unbefristetes Bleiberecht zu – sowie 1.000 Euro „Wandergeld“.

Ja, aus dem Feind wurde ein Freund, und als sich die Platzwunde auf dem Kopf des Müllmanns allmählich in eine Narbe verwandelte, und er nur ein blindes Auge zurückbehielt, verheilten auch die Wunden die Bürger – und die Erinnerung an ihren Beinahe-Lynchmord verblasste und als Weihnachten nahte, war wieder alles gut.

Beinahe.

Denn Greta, Jakob und Niklas waren noch immer spurlos verschwunden.

 

In der Nacht des 24. Dezember saß der Müllmann unter seiner Brücke, als weit entfernt ein Fleck aufblitzte.

Der Obdachlose starrte in die Dunkelheit.

Der Lichtschein wurde immer größer.

Er blendete den Einäugigen, hielt dabei schnurstracks auf ihn zu – und entpuppte sich schließlich als Vorderleuchte eines Fahrrads.

Auf dem Rad saß der picklige Teenie, den der Müllmann am Abend vor Niklas‘ Verschwinden mit dem rothaarigen Jungen gesehen hatte.

„Frohe Weihnachten“, sagte der Teenager.

„Frohe Weihnachten“, grunzte der Müllmann.

„Ich habe hier Klöße und Gans – und Chardonnay“, sagte der Teenager, und reichte dem Müllmann einen randvoll gefüllten Korb. „Mit besten Grüßen von meiner Mutter.“

Der Obdachlose runzelte die Brauen.

„Kennen wir uns?“, fragte er.

Der Teenager nickte: „Ich war dabei, als dich der Mob Halloween totprügeln wollte.“

Der Müllmann schnalzte mit der Zunge.

„Doch was war das für ein Gefühl?“

Der Junge fröstelte. „Es war einfach schrecklich! Zuerst hat der Kommissar eine Flasche auf deinem Kopf zerschlagen, und danach hat dich der Pfarrer brutal auf den Boden geschubst. Und der Bürgermeister trat dich! Ich hätte damals nicht gedacht, dass du Halloween überlebst.“

Der Müllmann schüttelte den Kopf. „Damals wäre ich tatsächlich beinahe gestorben. Aber ich will gar nicht über jene Nacht reden. Denn ich glaube, dass wir uns zuvor schon mal gesehen haben – und zwar in der Nacht, als das rothaarige Kind verschwand.“

Der Picklige nickte erneut. „Ich war tatsächlich mit Niklas zusammen.“

„Warum hast du das nicht gesagt?“

„Weil ich … ähem … weil ich ihm damals Gras verkauft habe. Und nachdem Niklas verschwunden ist, hatte ich Angst, dass man mir was anhängt.“

„Tatsächlich?“, fragte der Müllmann nachdenklich. „Heißt das, du hast ihm nichts getan?“

„Natürlich nicht“, rief der picklige Junge.

„Und Greta Jansen? Und Jakob Schmitz?“

„Ebenfalls nicht“, stammelte der Teenie. „Ich kannte nur Niklas.“

Der Müllmann lächelte. „Das erklärt vieles“, meinte er freundlich, und klapste dem Jungen freundlich auf die Schulter, bevor er ihm die Kehle durchschnitt und sein Ohr abbiss und es genüsslich verzehrte und den pickligen Jungen und sein Fahrrad in das steil nach unten führende Kanalisationsrohr auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses warf, wo sich der tote Junge nun zu Greta und Jakob und Niklas gesellte.

Der glückliche Müllmann indes schlüpfte in jene frischen Kleider, die ihm die Bürger spendiert hatte, und zog dann mit seinen Tonnen von dannen.

„Zeit für eine neue Stadt“, sagte er leise, und verschwand in der Nacht.

 

 

 

 

 

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12 böse Gute-Nacht-Geschichten: "Lass nicht los!"

„Hilfe!“

Der Schrei war schrill, und er hallte so laut durch die Nacht, dass Willibald schlagartig erwachte.

Einen Moment lang wusste er nicht, ob er geträumt hatte – oder ob Gefahr im Verzug war.

Er setzte sich im Dunkeln auf, knipste die Nachttischlampe an und griff nach seiner Hornbrille.

Der Wecker zeigte 3:47 Uhr.

Willibald spitzte die Ohren, doch es erklang kein zweiter Schrei.

Der Rentner seufzte.

Also hatten ihm seine Sinne doch bloß einen Streich gespielt!

Willibald kratzte sich am Sack, spürte seinen pochenden Ständer und grunzte nachdenklich: Zum dumm, dass ihn ein der eingebildete Hilferuf ausgerechnet in jenem Moment aus dem Tiefschlaf gerissen hatte, als er gerade von Teenagern träumte.

Der Rentner starrte auf den Wecker.

Inzwischen war es 3:50 Uhr.

Willibald kratzte sich am Kopf und merkte, dass er mit seinem Toupet eingeschlafen war.

„So ein Mistdreckscheiß“, fluchte der Rentner, denn er hatte sein Kunsthaar vorm Schlafengehen extra frisiert.

Vorsichtig nahm er das Toupet ab.

„Haare machen Menschen“, sagte Willibald zu seiner Perücke, und strich zärtlich über das Kunsthaar: „Mit dir fühle ich mich jung – und komme gut auf dem Strich an …“

Ja, Willibald ging gern zu Nutten, während seine kranke Gattin …

„Hilfe!“

Jetzt war der Schrei deutlich zu hören.

Also doch Cäcilie!

Willibald verzog den Mund. Was wollte die Alte mitten in der Nacht?

Ob sie sich wieder eingenässt hatte?

Ob ihr flacher, platter Arsch schon wieder in die Windeln gekackt hatte?

Oder jammerte sie wieder über Schmerzen?

Willibald küsste sein Toupet – und legte es behutsam beiseite.

Dann setzte er sich aufrecht hin, schlüpfte in braune Filzpantoffeln, und stakste vom Bett zur Schlafzimmertür. Er glitt in seinen dunklen Flur, und roch den Gestank der tödlichen Krankheit, der das Sterben seiner Frau seit vielen Monaten ankündigte.

Seiner Frau, die Willibald auf das alte Sofa verbannt hatte, weil er das große Ehebett für sich allein beanspruchte.

Am liebsten wäre Willibald mucksmäuschenstill im Flur stehen geblieben, und zu eben jenem großen, gemütlichen Bett zurückgeschlichen – doch als er innehielt, weil er hoffte, dass Cäcilie wieder eingeschlafen war, erklang ihr Hilferuf erneut.

Seine Frau wimmerte.

Willibald knipste das Licht an – und verstand den Grund für die Schreie.

Halb lag seine Frau (oder das, was von ihr übrig war) auf dem braunen, alten Sofa, halb hing ihr Körper auf dem Boden – und ihr Kopf schwang hin und her.

Der Rentner sah sofort, dass Cäcilie gegen den Tod kämpfte.

Cäcilie sah ihn kläglich an.

„Hilfe“, rief die fahle Frau – und streckte Willibald die Hand entgegen.

Der Rentner schüttelte sich.

Warum verlangte sie nach ihm?

Wusste sie nicht, dass sie ihn anekelte?

Und mehr noch, ahnte sie wirklich nicht, dass er schon seit vielen Jahren nur auf diesen Augenblick wartete?

Auf den Moment, in dem sie starb – weil sie ihm im Weg stand? Seinem Glück mit anderen Frauen, seiner Lust auf Orgien, bezahlt von ihrem Konto, über das er erst nach ihrem Ableben verfügen konnte?

„Was willst du?“, fragte Willibald mürrisch.

„Komm‘ näher“, flüsterte Cäcilie – und wedelte mit ihrer Hand. „Es geht zu Ende, Willibald!“

Das waren die fünf magischen Worte.

Es geht zu Ende, Willibald.

Der Rentner war elektrisiert.

Sie starb tatsächlich.

Bald würde er frei sein.

Sein Ständer regte sich erneut.

„Willst du, dass ich einen Arzt rufe?“, fragte Willibald misstrauisch.

Cäcilie schüttelte den Kopf. „Komm‘ einfach näher, Willibald – und gib‘ mir bitte deine Hand. Ich muss dir nämlich noch was sagen …“

Willibald kniff die Lippen zusammen.

Die Frau auf dem Sofa erinnerte ihn nicht mal ansatzweise an die Gefährtin, die er in einem früheren Leben begehrt und geliebt hatte. Denn obwohl Cäcilie einst engelsgleich gewesen war, verblühte sie seit vielen Jahren. Und als der Krebs mit 70 zuschlug, und seine Gattin von innen zerstörte, war ihre Strahlkraft nahezu verglüht – und ihr Körper welk und weiß.

„Sei’s drum“, dachte Willibald, und stakste todesmutig zum Sofa.

Er setzte sich auf einen Stuhl, schluckte seinen Ekel runter und blickte auf Cäcilies Hand, die gelb und dünn und knöchern war.

Es war die Hand einer lebendigen Toten.

„Mistdreckscheiß“, fluchte Willibald.

Und obwohl sich alles in ihm sträubte ergriff er Cäcilies kalte Hand.

Die Hand, die ihn zutiefst anwiderte.

Cäcilie lächelte beseelt.

Offenbar ahnte sie nicht, was in Willibald vorging.

Die Sterbenskranke sah ihn an.

„Lass‘ nicht los“, flüsterte sie. „Dann kann der Tod uns niemals trennen.“

Willibald nickte. „Ich bleibe bei dir. Brauchst du was?“

Cäcilie schüttelte den Kopf. „Bleib einfach bei mir. Und halte mich fest.“

Willibald nickte widerstrebend, und er riss sich am Riemen.

„Was willst du mir sagen?“, murmelte er leise.

„Dass ich dich von Herzen liebe“, flüsterte Cäcilie. „Und dass du ein guter Mann bist – ein Mann, der immer noch die Wahl hat.“

„Welche Wahl?“, fragte Willibald und wollte ihr die Hand entziehen.

Doch Cäcilie hielt sie fest.

„Lass‘ nicht los, mein lieber Mann! Lass‘ mich auf keinen Fall im Stich. Und halte meine Hand so lange, bis die Sonne am Horizont aufgeht.“

Willibald seufzte genervt.

Dann wiederholte er seine Frage: „Von welcher Wahl sprichst du bloß, Frau?“

„Der Wahl zwischen Liebe und Hass.“

„Wie meinst du das?“

„Die Wahl, dein Eheversprechen zu halten - von der Treue bis zum Tod. Oder dein Versprechen zu brechen, und mich zu verraten.“

Willibald starrte auf die Hand, die sich eisern an ihn klammerte.

„Du tust mir weh“, wütete er. „Mein Arm wird taub! Und ganz gefühllos!“

Cäcilie lächelte ihn an. „Das tut mir leid, mein lieber Mann. Aber ich lasse dich nicht los. Wenn du mich loslässt, kommt der Tod. Doch wenn du festhältst, ist er machtlos.“

Willibald seufzte.

Dann dachte er nach.

Cäcilies Kraft erstaunte ihn.

Und seine Finger schmerzten sehr.

Er konnte sie nicht mehr bewegen.

Keinen Zentimeter.

Keinen Millimeter.

Er war die Geisel seiner Frau.

Doch Willibald hatte nicht vor, sich ihrem kranken Geist zu beugen.

Er musste nur geduldig sein.

Und abwarten, und etwas ausharren, und ihren Klammergriff ertragen.

Denn früher oder später würde sie einschlafen.

Dann konnte er endlich zurück.

„Ich muss kein schlechtes Gewissen haben“, dachte Willibald verdrossen. „Tiere verrecken auch allein. Sie kämen nie auf die Idee, sich dermaßen an Artgenossen zu klammern.“

Willibald starrte auf die Kuckucksuhr.

Inzwischen war es 4.30 Uhr.

Wann ging nochmal die Sonne auf?

„Um 6.30 Uhr“, flüsterte Cäcilie, als könne sie seine Gedanken lesen, und schloss die müden, kranken Augen.

Sekunden später schlief sie fest.

Doch ihr Griff war noch immer eisern.

Sobald Willibald an seiner Hand zog, wurde ihr Klammergriff noch fester.

Der Rentner war tatsächlich gefangen!

„Woher nimmt sie bloß die Kraft?“, wunderte sich Willibald und starrte die Sterbende an.

Cäcilies Augen lagen tief in den Höhlen, ihr Gesicht war weiß und spitz, und das Kinn ein scharfes Dreieck.

Es ragte steil und bös hervor.

Und erst ihre Haare!

Früher hatte sie lange, goldene Locken gehabt, doch nunmehr fehlten überall Büschel.

Willibald sah blutige Stellen, die Cäcilie mit ihren gelben Fingernägeln aufgekratzt hatte.

Sein Blick fiel auf die Sauerstoffmaschine.

Auf die Tabletten auf der Kommode.

Und auf das knöcherne Brustbein der Kranken.

Ja, Cäcilies Körper war dermaßen ausgemergelt, dass eine Magersüchtige im Vergleich mit ihr rund und wohlgenährt erschien. Und obwohl bereits Cäcilies sämtliche Rippen hervortraten, hielt sie Willibalds Hand noch immer fest umklammert – und mit einem Mal überkam ihn die Ahnung, dass sie sich nur deshalb an ihn klammerte, weil sie ihn mit sich in den Tod reiße wollte.

„Das lasse ich mir nicht gefallen“, schnaufte Willibald erbost, und nahm all seinen Mut zusammen.

Er zog und zerrte an der Hand.

Er dehnte Cäcilies knöcherne Finger.

Und er schlug ihr auf’s Gelenk.

Doch Cäcilie hielt ihn fest.

Sie starrte ihn benommen an.

„Mistdreckscheiß?“, fluchte Willibald. „Was willst du wirklich, Frau? Warum kannst du den Tod nicht akzeptieren?“

„Weil ich dich liebe, Willibald! Ich kann nicht gehen. Ich darf nicht gehen. Und mehr noch: Ich will nicht gehen.“

„Aber du musst!“, rief Willibald. „Es ist vorbei, sieh’s endlich ein. Und ganz ehrlich? Ich möchte allein sein. Ich brauche Erholung. Ich will wieder leben. Ich verlange, dass du mich sofort loslässt!“

Cäcilie schüttelte den Kopf.

Daraufhin riss Willibald so heftig an der gelben Hand, dass Cäcilies Körper knackte.

Doch sie zuckte nur zusammen.

„Das war meine Schulter“, klagte sie laut. „Du hast mir das Gelenk ausgekugelt, Willibald.“

Der Rentner schrie: „Ich kugele dir gleich noch was ganz andres aus, wenn du mich nicht sofort loslässt. Ich warne dich: Wenn du mich festhältst, reiße ich dir den Arm aus. Gleich kommt es so! Ich steh jetzt auf! Ich reiß‘ mich los!“ 

Doch Cäcilie ließ nicht los.

Ihre Finger waren fest mit Willibalds Gliedern verwachsen.

Und obwohl der Wüterich seinen Arm nun so ruckartig bewegte, dass das Sauerstoffgerät umfiel, und die mit Cäcilas Körper verbundenen Kabel aus ihrem Körper gerissen wurden, und Blut floß, und der Rentner die Sterbenskranke sogar über den Boden schleifte, hielt sie ihn fest.

Eisern.

Unerbittlich.

„Lass mich nicht los“, stammelte Cäcilie, als er ihr das Rückgrat brach.

„Lass mich nicht los“, flüsterte sie, als er seinen Fuß gegen ihre (noch nicht ausgekugelte, zweite Schulter) drückte, sich mit aller Kraft dagegen stemmte, und gleichzeitig an seiner Hand riss.

Und selbst als er Cäcilies Kopf nahm und ihn hart auf den Boden schlug, blieb ihre Hand eisern in seiner.

Um 6.15 Uhr sank Willibald völlig erschöpft auf den blutigen Teppich.

Das Wohnzimmer sah aus wie ein Schlachtfeld.

Der Couchtisch war umgeworfen, auf dem Teppich lagen Zähne und Cäcilie stöhnte und zitterte.

Doch ihre Hand lag noch immer in seiner.

Willibald atmete stoßweise.

Er war so erschöpft, dass er nicht mehr wusste, was er gegen ihre übermenschliche Kraft ausrichten konnte.

Denn es war wie verhext!

Je stärker er riss und sie schlug und zerstörte, desto stärker wurde auch der Klammergriff.

„Bitte lass‘ los“, lallte der Rentner. „Bitte lass‘ mich los, Cäcilie. Einmal müssen wir alle sterben. Ain Mall isst ess für unss allä vorbai …“

Aber Cäcilie hielt ihn fest.  

Und als die Sonne beinahe aufging, und Willibald bereits befürchtete, dass sie die Nacht überleben, und dem Tod ein Schnippchen schlagen würde, beugte er sich über sie – und keuchte ihr die Wahrheit ins Gesicht: „Ich hasse dich. Ich habe dich immer gehasst! Ich wollte immer nur dein Geld. Ich habe mich jahrelang verstellt, und dir was vorgespielt – doch in Wahrheit habe ich ein ausschweifendes Doppelleben geführt. Denk‘ ja nicht, dass ich dich vermisse. Verrecke, du Schlampe! Stirb endlich, du Biest! Ich will frei sein. Ich will allein sein. Lass‘ sofort meine Hand los … Ich verfluche dich!“

Willibald schnaufte.

Er war völlig am Ende.

Und obwohl er nicht mehr glaubte, dass sie ihn jemals loslassen würde, spürte er, dass ihr  Griff sich – direkt nach dem Fluch – endlich löste.

Cäcilies Finger wurden warm – und glitten dann aus seiner Faust.

Und als die Berührung endlich vorbei war, erblickte Willibald das Wunder des Todes, denn Cäcilies Seele fuhr aus ihrem Körper, und er sah Cäcilie doppelt.

Dann brach sein Blick, und er war tot.

Und die Sonne erwachte zum Leben.

 

„Hast du deine Aufgabe erfüllt?“, fragte das Chef-Lichtwesen.

Cäcilie verneinte: „Ich habe Willibald mein ganzes Leben lang beschützt – und meine komplette Schutzengel-Energie zu seinen Gunsten angewandt. Doch im Laufe seines Lebens wurde seine dunkle Energie immer stärker. Je böser er wurde, desto schwächer wurde ich. Am Ende war ich beinahe zerstört, und hielt mich – nahezu energielos – kraftlos in seiner Nähe auf. Deshalb konnte ihn nicht mehr beschützen, als ich merkte, dass sein Tod kam.“

„Hast du es wenigstens versucht? Und seine Hand festgehalten?“

„Ja“, hauchte Cäcilie – „mit letzter Kraft, zwei Stunden lang. Doch seine böse Energie war zu stark. Willibald hat mich verflucht, weil er nichts verstanden hat. Er glaubte bis zur letzten Sekunde, dass mein Leben auf dem Spiel stand. Dabei ging es doch bloß um seins …“

Das Lichtwesen lächelte. „Du hast deine Aufgabe mit Güte, Liebe und Treue erfüllt – wie es sich für einen Schutzengel gehört. Jetzt musst du schlafen, und dich erholen. Lass‘ die Gedanken an Willibald los. Lass seine Hand los. Lass‘ Willibald los.“

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Die Einbalsamiererin - Das 1. Kapitel

 

Die Einbalsamiererin

Ein Bestattungsinstitut. 12 Menschen. Ein Mörder

 

Wenn ein Mensch stirbt, nimmt er seine Geheimnisse mit ins Grab – wenn er Glück hat. Denn bevor er zu Staub wird, kümmern sich Bestatter um ihn. Doch als Leiche liegt man nicht bei jedem richtig …

 

Hamburg/St. Pauli, 2016: Plötzlich schwimmen offene Särge mit Mordopfern auf den Fleeten. Kommissar Groll verdächtigt das Beerdigungsinstitut „Haus Grau“, in die Verbrechen verstrickt zu sein. Hier hat die versoffene Hartz-IV-Empfängerin Connie gerade ihre letzte Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen – für 450 Euro im Monat. Widerwillig hilft die übergewichtige Mittdreißigerin den Bestattern und Einbalsamierern bei der Arbeit – und kombiniert, dass der Mörder tatsächlich in „Haus Grau“ arbeitet. Doch wer ist er? Der Totengräber Mr. Todd? Der dubiose „Kisten-Klaus“? Oder gar die Chefin und Chemie-Expertin Frau Grau? Als Connie beim Einbalsamieren auf Spuren stößt, die vom Gerichtsmediziner übersehen wurden, gerät sie selbst ins Visier des Mörders …

 

Eine rätselhafte Mordserie …

Ein geheimnisvolles Pferd …

Und ein verdächtiges Bestattungsinstitut …

Früher oder später landen wir alle bei Bestattern – egal, ob wir begraben, verbrannt oder verstreut werden.

Doch was passiert wirklich hinter den Kulissen dieser Branche?

Das wissen nur Bestatter selbst.

Und bald auch Sie!

Denn nach der Lektüre dieses Krimis sehen Sie den Tod und diejenigen, die täglich mit ihm zu tun haben, mit anderen Augen – und kennen die Antworten auf Fragen wie diese:  

Gibt es den perfekten Mord? Wie kommen Bestatter mit den Tragödien klar, die sie sehen? Wie werden optisch angegriffene Leichen – etwa nach dem Sprung von einem Hochhaus oder einer langen Chemotherapie – wieder vorzeigbar gemacht, und warum gehen Thanatopraktiker dafür in den Baumarkt? Welche Gifte täuschen einen natürlichen Tod vor – und welche sind nicht nachweisbar? Was sind sichere Todeszeichen – und kann man eine Todesursache immer feststellen? Wie oft kommt es vor, dass sich eine Leiche noch bewegt – oder die Augen öffnet? Wie sieht ein Toter aus, wenn man den Sarg nach 15 Jahren wieder ausgräbt? Kann jeder eine Obduktion veranlassen, wenn er glaubt, dass jemand ermordet wurde? Wie schützt ein Beerdigungsinstitut die Anwohner vor Giften, die ins Grundwasser gelangen könnten, was machen Haustiere, wenn sie tagelang mit ihrem toten Herrchen allein sind – und was ist von Bestattern zu halten, deren Verstorbene bei der Aufbahrung fremd und künstlich aussehen?

Ja, „Die Einbalsamiererin“ gibt Antworten auf Fragen wie diese …

 

Wie der Krimi entstanden ist? Und warum?

Ganz einfach!

Eines Tages erzählte mir ein krebskranker Freund, dass er nach seinem Tod thanatologisch versorgt werden wollte.

Thanatologie?

Diesen Begriff hatte ich noch nie gehört. Als ich ihn googelte, stieß ich auf die faszinierende Welt der Einbalsamierer und Thanatopraktiker – und begleitete sie ein Jahr bei der Arbeit.

 

 

Herodot, 484-424 vor Christus:

Sie legen den Leichnam für die angegebene Zahl von Tagen in Salz, an dessen letztem sie das zuvor Eingespritzte ablassen, und dieses ist so stark, dass es die Därme und das Innere in aufgelöstem Zustand mit sich führt; auf der anderen Seite löst das Natron das Fleisch auf, so dass tatsächlich nichts als Haut und Knochen übrigbleibt.

 

Johnson Dodge, 1848-1926:


Wie man einen verstümmelten Leichnam behandelt und ihn wieder vorzeigbar macht, sollte Bestandteil der Ausbildung der Thanatopraktiker sein. Gründlicher Unterricht in dieser schwierigen Kunst sollte von den Ausbildern erteilt werden. Aber dieser Teil der Arbeit erfordert besondere Erfahrung und einige Übung, um ihn erfolgreich auszuüben oder zu lehren.

 

1. Kapitel: Nur über meine Leiche

 

Natürlich wäre es gerechter gewesen, wenn der Tod früher zu Stoltenberg gekommen wäre.  Aber weil er erst kurz vor Mitternacht ins Leben seines Opfers trat, wurde der arme Tropf von seinem eigenen Ableben überrascht. Denn Stoltenberg war schon so müde, dass er nicht mal die Warnungen hörte.

Dabei sagte die Fernsehstimme laut und deutlich: „Der Tod ist unvermeidlich. Er ist ein Versprechen, das jedem von uns bei der Geburt gegeben wird. Aber ehe dieses Versprechen eingelöst wird, hoffen wir alle, dass uns etwas widerfährt. Sei es das Prickeln einer romantischen Liebe, das Glück eine Familie zu haben oder reich und mächtig zu werden. Wir alle hoffen, etwas zu erfahren, das unserem Leben einen Sinn gibt. Aber das Traurige ist, dass nicht jedes Leben von Sinn erfüllt ist. Manche Menschen verbringen ihre Zeit auf diesem Planeten nur damit, am Spielfeldrand zu sitzen und darauf zu warten, dass ihnen etwas widerfährt, ehe es zu spät ist …“

Stoltenberg sah auf die Uhr.

Es war fünf vor Zwölf Uhr am 21. Dezember 2015.

Stoltenberg schaltete den Fernseher aus, und die Stimme, die über Leben und Tod philosophierte, verstummte.

Der 55-jährige Leiter des Hamburger Finanzamts erhob sich so leise vom Sofa, dass seine 30 Jahre jüngere Geliebte ungestört weiterschlafen konnte.

Dann griff Stoltenberg nach seinem Smartphone.

Das Display verriet ihm, dass ihm sein Sohn bereits mehrere WhatsApp-Nachrichten geschickt hatte.

Stoltenberg las die erste.

Sie lautete: „Cindy ist nicht nach Hause gekommen. Falls du etwas von ihr hörst, sag mir Bescheid. Du weißt ja … sie ist in letzter Zeit so komisch.“

Der Inhalt der anderen Nachrichten war ähnlich – und zuletzt hatte Stoltenbergs Sohn sogar eine Sprachnachricht hinterlassen. Darin kündigte er an, dass er eine Vermisstenanzeige aufgeben würde, wenn Cindy beim Morgengrauen noch immer verschwunden wäre: „Tut mir leid, Dad, dass ich dich damit während deiner Geschäftsreise nach Brüssel belästige – aber ich habe das Gefühl, dass Cindy etwas Schlimmes passiert ist. Ruf mich an! Mama ist … ach, vergiss es … Gute Nacht!“

Stoltenberg knirschte mit den Zähnen.

Zu gern hätte er seinen Sohn beruhigt und ihm erzählt, dass Cindy schlafend auf dem Sofa in seinem Hotelzimmer lag und er selbst gar nicht in Brüssel, sondern in Hamburg, war.

Doch ihm fehlte der Mut, seinem Sohn zu gestehen, dass er sich rettungslos in dessen Verlobte verliebt hatte.

Stoltenberg deaktivierte sein Smartphone.

Jetzt musste er schlafen, und neue Kraft tanken – Kraft für den Bruch mit seinem Sohn und den unvermeidlichen Scheidungskrieg mit seiner Ehefrau.

Monatelang hatte sich Stoltenberg mit aller Kraft gewehrt gegen seine verbotenen Gefühle und war Cindy stets aus dem Weg gegangen. Doch am Abend seiner Silberhochzeit hatte sie ihn übermütig und beschwipst auf die Tanzfläche gezogen, und ihn dabei unschuldig angelächelt.

In diesem Moment waren sie beide vom Blitz getroffen worden.

Amor hatte gezielt zugeschlagen.

Stoltenberg erinnerte sich an jede der 78 Drehungen während seines Walzers mit Cindy. Denn obwohl der Tanz nur vier Minuten gedauert hatte, verflüchtigte sich bei jeder Drehung eine weitere Erinnerung an seine Frau, seinen Sohn, ihr gemeinsames Leben und seine Alltagspflichten.

Selbst heute war ihm immer noch schwindlig, wenn er an diesen Walzer dachte.

Es hatte nur Cindy und ihn gegeben.

Damals wollte er alles für seine Zuckerpuppe tun.

Damals wollte er, dass sie glücklich war.

Und damals war er selbst glücklich gewesen, wenn sich ihr kirschroter, süßer Mund auf seine Lippen gepresst und ihn eine neue, unbekannte Energie überflutet hatte.

Die Zeit war wie im Rausch verflogen.

Nach einigen Wochen jedoch erwachte Stoltenbergs Gewissen und nach Monaten der Lügen, „Geschäftsreisen“ und heimlichen Hoteltreffen wurde sein Liebeswahn durch eine unsanfte Bruchlandung beendet.

Denn Cindy stellte plötzlich Forderungen, und mehr noch: sie wollte mit ihm durchbrennen.

Das jedoch war ausgeschlossen!

Heute hatte Stoltenberg endlich einen Schlussstrich unter seine Affäre ziehen wollen.

Doch er machte die Rechnung ohne Cindy.

„Ich bin schwanger“, sagte sie, „wir bekommen einen Sohn. Ich bin bereits in der neunten Woche. Unserem Glück steht nichts mehr im Wege.“

Zuerst war Stoltenberg geschockt.

Aber nach reiflichem Überlegen befand er, dass er lange genug am Spielfeldrand gesessen hatte, während das Leben an ihm vorbeizog.

„Ich will das Baby“, flüsterte Roman. „Es ist die Frucht meiner Liebe zu Cindy.“

Die Zukunft würde schön und süß.

So süß wie … das restliche Tiramisu im Kühlschrank.

Stoltenberg überlegte kurz, ob er seiner plötzlichen Gier nachgeben sollte.

Dann jedoch entschied er sich anders. 

Um 23.55 Uhr betrat Roman Stoltenberg das Badezimmer.

Er musterte sich zufrieden im Spiegel. Für einen 55-Jährigen hatte er sich verdammt gut gehalten. Er war potent, schlank und vital – ein Mann im allerbesten Alter.

„Duschen und anschließend mit Cindy Tiramisu im Bett genießen?“, fragte er den Spiegel und sein Gegenüber nickte angesichts der Aussicht auf zwei verführerische Reize, die sich hervorragend miteinander kombinieren ließen.

Ja, der Tod ist unvermeidlich.                                                                             

Er ist ein Versprechen, das jedem von uns bei der Geburt gegeben wird. Aber ehe dieses Versprechen eingelöst wird, hoffen wir alle, dass uns etwas widerfährt – und sei es die Aussicht auf eine junge Geliebte und eine paradiesische Zukunft mit ihr und einem Sohn, der uns Unsterblichkeit schenkt.

Stoltenberg zog den Duschvorhang zur Seite.

Dann stieg er in die Dusche.

Die Zukunft war ein großes Versprechen.

Ganz anders als die Gegenwart.

Denn die entpuppte sich als Falle.

Ja, der Tod ist unvermeidlich.

Aber manchmal können wir ihm noch einmal entkommen, wenn wir uns für die richtigen Dinge entscheiden – etwa für ein Tiramisu statt für eine Dusche, mit der wir unsere klebrigen Sünden abwaschen wollen.

 

 

Frau Grau öffnete den vertraulichen Teil des Totenscheins.

„Unterzuckerung?“, fragte sie erstaunt und blickte den Gerichtsmediziner Professor Rätte an.

Der Forensiker nickte.

„Bei der Obduktion“, entgegnete Rätte und fuhr sich dabei durch die roten Locken, „habe ich herausgefunden, dass Stoltenberg Diabetiker im fortgeschrittenen Stadium war … äh … äh …  Höchstwahrscheinlich hat er nichts davon gewusst, denn sonst hätte er vor dem Duschen bestimmt noch was Süßes gegessen. Sein Blutzuckerspiegel war völlig im Keller. Stoltenberg muss einen irren Drang nach … äh … äh … etwas Süßem gehabt haben – und bestimmt war ihm so schwindlig, als hätte er die ganze Nacht Walzer getanzt. Aber aus irgendeinem Grund hat er nicht einmal ein Stückchen Schokolade gegessen. Stattdessen stieg er gegen Mitternacht völlig unterzuckert in die Dusche – und ist dort ohnmächtig geworden.“

„Genickbruch?“, fragte Frau Grau neugierig.

Rätte schüttelte den Kopf. „Nein! Zuckerschock! Doch die eigentliche Todesursache ist viel verrückter. Denn Stoltenberg ist … äh … äh … zusammengesackt und dann langsam mit dem Kopf zu Boden geglitten. Als er dort lag, hat sich sein Körper so blöd auf die Seite gedreht, dass seine linke Wange den Abfluss versperrte. Deshalb stieg das Wasser an und kurz darauf ist Stoltenberg ertrunken. Als ihn seine Geliebte gegen 3 Uhr morgens fand, war er bereits kalt und steif.“

Nun schnupperte Frau Grau an dem Toten. Stoltenberg roch etwas süßlich.

„Azeton?“, fragte die Bestatterin.

Rätte nickte.

„Aber könnte es nicht auch ein Mord gewesen sein, Herr Professor? Vielleicht hat seine Geliebte einen Föhn oder ein elektrisches Glätteisen in die Wanne geworfen!“

Rätte zwinkerte. „Gut kombiniert! Aber der Tote weist keine Verbrennungen auf, und als die Polizei ins Hotel kam, war die … äh ... äh ... Leichenstarre noch nicht eingetreten – wie es normalerweise bei einem Stromschlag der Fall ist.“

„Doch seit wann hatte Stoltenberg überhaupt eine Geliebte? Ich war kürzlich noch auf seiner Silberhochzeit und …“

Rätte unterbrach sie sanft: „Meine liebe Frau Grau! Sie wissen doch selbst, wie leicht Männer in Stoltenbergs Alter … äh … äh … verführbar sind – besonders, wenn ihre zukünftige Schwiegertochter dem horizontalen Gewerbe entstammt.“

Der Professor verdeckte den Schambereich des Toten mit einem Tuch: „Als sich Stoltenbergs Sohn in Cindy Heinicke verknallte, hat sich Stoltenberg ebenfalls in die betörende Bordsteinschwalbe verliebt. Deshalb starb Stoltenberg auch in einem … äh … äh … Stundenhotel … Es ist dieselbe Leier wie immer: In unserem Job brauchen wir kein RTL. Aber ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie die Trauerfeier des Jahres an Land gezogen haben?“

Frau Grau nickte: „Ich weiß, es ist ein wichtiger Auftrag.“

„Es ist der … äh … äh … dickste Fisch in der Elbe! Stoltenberg war der wichtigste Berater des Finanzsenators. Ganz Norddeutschland wird sehen wollen, wie Sie die Trauerfeier gestalten. Das könnte Ihre finanzielle Rettung sein. Vorausgesetzt …“

„ … dass diesmal alles gut geht?“

„Das muss es wirklich! Gibt’s immer noch Probleme mit Ihren Trauerfeiern?“

Die Bestatterin nickte. „Probleme sind das falsche Wort. Es handelt es sich um Sabotage! Mein Ruf soll gezielt ruiniert werden. Vor 14 Tagen lief plötzlich Highway to Hell statt Ave Maria – während einer Trauerfeier. Und drei Wochen zuvor hatte der Totengräber ein völlig falsches Grab ausgehoben. Wir standen bereits mit der Trauergesellschaft auf dem Friedhof, als … Ach, ich will nicht länger daran denken! Aber ich bin mir sicher, dass mein Bruder dem versoffenen Eddie 50 Euro in die Hand gedrückt hat, damit der das falsche Grab aushob. Klaus sabotiert mich, wo er nur kann – weil er mir meine letzten Kunden auch noch wegnehmen will.“

„Aber haben Sie schon einen Verdacht, welcher Ihrer Angestellten Ihrem Bruder bei den … äh … äh … Sabotagen hilft?“

Frau Grau schüttelte traurig den Kopf. „Das ist es ja … jeder von ihnen ist vertrauenswürdig. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer der Wolf im Schafspelz ist …“

 

 

Frau Grau musterte ihr Team.

Gerade hatte sie ihren Angestellten eingeschärft, dass bei Stoltenbergs Trauerfeier nichts schiefgehen durfte.

„ … denn die Beisetzung ist jetzt schon kompliziert genug“, erklärte die Chefin. „Uns erwartet ein Großkampftag mit Stoltenbergs betrogener Witwe, seinem ebenso betrogenen Sohn und seiner schwangeren Geliebten. Übrigens wollte Cindy Heinicke bereits die komplette Organisation an sich reißen, und sie hat sogar den Bürgermeister gebeten, eine Rede zu halten.“

„Heißt das, er hat zugesagt?“, rief Frau Gretel. Die angegraute Vorzimmerdame mit dem altmodischen Dutt war erstaunt, denn obwohl sie bereits für Frau Graus Eltern gearbeitet hatte, war noch nie ein Bürgermeister bei einer Trauerfeier gewesen.

„Nein“, antwortete Frau Grau, „er will sich nicht vor den Karren von Frau Heinicke spannen lassen. Der Bürgermeister hat abgesagt, woraufhin sich Cindy Heinicke an Pfarrer Pettigrew wandte, der wiederum beleidigt ablehnte, weil er nicht die zweite Wahl sein will. Daraufhin jedoch hat Frau Heinicke Pfarrer Pettigrew gegen den Kirchenvorstand, den sie persönlich kennt, ausgespielt und letztlich hat Pfarrer Pettigrew nun doch widerwillig zugesagt. Aber Stoltenbergs Witwe und ihr Sohn möchten, dass Superintendant Dodge die Trauerrede hält.“

„Aber nach wem richten wir uns?“, fragte der Azubi Trick Emsig, den alle nur „Babyface“ nannten. Babyface blickte Frau Grau so unterwürfig an, dass er seine Kollegen zum tausendsten Mal an einen wohlgenährten, treudoofen Hund erinnerte. 

„Nach der Witwe“, antwortete Frau Grau. „Stoltenbergs Beerdigung wird die Trauerfeier des Jahres. Dabei muss alles glattgehen! Gibt’s sonst noch irgendwelche Fragen?“

„Jo“, rief Boschko Klüsekamp, ein bauernhafter Mann mit Knollennase. Er arbeitete erst seit einem Monat in Haus Grau, sprach häufig westfälisches Plattdeutsch und war für fast jede „Abholung“ mit dem Leichenwagen zuständig: „Wann soll ich dat Luik abholen?“

Frau Grau blickte in eine Mappe: „Momentan ist Stoltenberg – wir reden hier nicht von ‚dat Luik’ – … also momentan ist der Verstorbene noch in Rättes Polizeischauhaus. Der Professor informiert uns.“

Nun stellte der Totengräber Michael Todd eine Frage. Ein Mann mit Halbglatze, der aussah wie Kojak: „Gibt’s eine öffentliche Aufbahrung und einen Abschied am offenen Saaarg?“ 

Frau Grau schüttelte den Kopf und wandte sich an ihren Chef-Einbalsamierer Fritz Fischer, einen tätowierten Riesen, dessen Bassstimme so dröhnte, als sei er ein Wiedergänger des Drachentöters Siegfried: „Auf Wunsch der Witwe bleibt der Sarg zu. Witwe Stoltenberg möchte ihren toten Gatten nicht mehr sehen, obwohl ich es ihr natürlich angeboten habe. Die Trauerfeier findet am 30. Dezember um 9.30 Uhr statt – in unserer Kapelle. Morgen besuche ich die Witwe, um die Anzeige zu besprechen. Babyface hat die Sterbefallanzeige, die Familienstandsurkunden, die Meldebescheinigung und den Totenschein bereits zum Standesamt gebracht – also sind die Sterbeurkunden morgen fertig. Und Sie, Frau Gretel, müssen nach dem Trauergespräch die Anzeige ans Hamburger Abendblatt schicken.“

Die graue Maus nickte gehorsam, doch die stellvertretende Einbalsamiererin Bettina Krämer äußerte Bedenken: „Aber was, wenn sich die Familie umentscheidet und Stoltenberg doch nochmal sehen will? Ich finde, dass wir zumindest den Kopf und die Hände vorzeigbar machen sollten. Sonst könnte Stoltenberg verwesen.“

„Ein guter Einwand“, lobte Frau Grau. „Stoltenbergs linke Gesichtshälfte ist stark verfärbt. Sie müssen die Totenflecken ausspülen, verfärbte Stellen bleichen, Hautablösungen mit Wachs auffüllen, Schwellungen punktieren, Ätzmittel in sein blaues Auge injizieren, alles mit dem elektrischen Maleisen glätten und dann die ursprüngliche Gesichtsfarbe aufbringen – inklusive seiner Besenreißer, die Sie mit violetter Farbe und einem Schwämmchen auftüpfeln. Außerdem, ich brauche es wohl nicht erwähnen, müssen Sie …“

„ … aufpassen, dass mir Kisten-Klaus nicht dazwischen pfuscht?“, fragte die Einbalsamiererin.

Frau Grau nickte. „Besonders das, Betty, besonders das!“

 

 

 

Betty Krämer erwachte mitten in der Nacht.

Es war 3.47 Uhr.

In Haus Grau war es stockdunkel und mucksmäuschenstill, doch obwohl die blonde Bestatterin ein Apartment unter dem Dach bewohnte, hatte sie genau gehört, dass im Erdgeschoss eine Tür geöffnet worden war – weil eine zerbrochene Bodenfliese, die Michael Todd jüngst zerschmettert hatte, ächzte und knarrte.

Betty wusste, dass es sich dabei um die Fliese vor der begehbaren Kühlkammer handelte. Sie band sich einen Pferdeschwanz und schlüpfte rasch in ihre Pantoffeln..

Dann griff sie nach ihrem Smartphone.

Diesmal würde sie Kisten-Klaus in flagranti ertappen bei einer seiner Sabotagen – und dem Bruder ihrer Chefin ein für alle Mal das Handwerk legen.

Zugegeben, Klaus Grau war ein Bild von einem Mann und er hatte Betty im Traum bereits mehrfach auf dem Hintersitz seines goldmetallicfarbenen SUVs verführt. Aber seit er ihre Chefin immer skrupelloser und einfallsreicher sabotierte – und Frau Grau durch seine Schuld immer mehr Kunden verlor, stand auch Bettys Job auf dem Spiel. Deshalb wollte sie beweisen, dass er sich zu nächtlicher Stunde an Stoltenbergs Sarg zu schaffen machte – mithilfe eines Fotos.

Betty schlich leise nach unten.

Sie konnte sich nicht vorstellen, wer Klaus ins Haus gelassen hatte, aber dass einer ihrer Kollegen ein Komplize von ihm war, erschien ihr einleuchtend.

Auf Zehenspitzen glitt Betty weiter.

In der Dunkelheit funkelten die Augen von Frau Graus Katze.

Das Tier jagte Mäuse in dem alten Gemäuer.

„Psssst, Mama Pfote“, raunte die Bestatterin.  

Die Katze miaute und verschwand in der Nacht.

Schritt für Schritt näherte sich Betty nun dem Erdgeschoss.

Im ersten Stock hörte sie das Schnarchen ihrer Chefin hinter deren Schlafzimmertür.

Ansonsten war alles ruhig.

Ob sie Kisten-Klaus wirklich in flagranti ertappen würde?

Ob er es tatsächlich wagte, Stoltenbergs Walnusssarg zu öffnen, um die Leiche zu entstellen?

Und ob sie endlich herausfinden würde, wer mit ihm unter einer Decke steckte?

Betty tippte auf die Aushilfe Edna Übel, die fast immer so seltsam lächelte wie die Mona Lisa.

Von detektivischem Ehrgeiz angetrieben schlich die Bestatterin so vorsichtig vorwärts, wie eine Hofdame in finsteren Zeiten in die geheimen Zimmer ihrer Herrin eindrang.

Sie erreichte das Erdgeschoss, huschte vorbei am Versorgungsraum und den Spinden und erreichte dann die Kühlfächer, wo die Leichen gelagert wurden.

Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, unterdrückte Betty einen Schrei.

Es waren nur acht von neun Fächern verschlossen!

Betty sah, dass der verunglückte Motorradfahrer in Fach 1, die an einem Herzinfarkt gestorbene 155-Kilo-Frau in Fach 2, die von einer Treppe gestürzte Lehrerin in Fach 3, die an Syphilis gestorbene Italienerin in Fach 4, der krebstote Afrikaner in Fach 5, der selbstmörderische Teenager in Fach 6, der von seinem Dackel angeknabberte Junkie in Fach 7 und das magersüchtige Mädchen in Fach 8 alle da waren.

Doch die neunte Tür stand sperrangelweit offen.

Irgendjemand hatte Stoltenberg stehlen wollen!

Aber sie, Betty Krämer, war in weiser Voraussicht klüger gewesen als der Dieb. Als hätte sie geahnt, dass es heute Nacht noch Probleme geben würde, hatte sie ihrem Kollegen Michael Todd bereits um 19 Uhr eine WhatsApp geschickt – und ihm darin mitgeteilt, dass sie Stoltenberg bereits jetzt einsargen – und ihn dann in einem Nebenraum der Kapelle einschließen würde.  

Betty spähte durch die angelehnte Hintertür, die eigentlich immer verschlossen sein musste.

Dann schlich sie durch den Hof zur Kapelle und glitt durch den geöffneten Seiteneingang.

In der Kapelle flackerte eine große Kerze, und die Blondine sah eine dunkle Gestalt, die sich über Stoltenbergs geöffneten Sarg beugte.

In Bettys Hirn kreisten die Gedanken.

Wer hatte Stoltenberg aus dem Nebenraum geholt – und in die Kapelle geschoben?

Was sollte sie jetzt tun?

Zurückeilen und Alarm schlagen?

Oder, sie blickte auf ihr Smartphone, sich an ihren ursprünglichen Plan halten und todesmutig ein Beweisfoto machen?

Plötzlich spürte sie, dass Mama Pfote ihren Kopf an ihrem Bein rieb.

Die schwarze Katze miaute verräterisch.

Wie in Zeitlupe drehte sich der Eindringling daraufhin um, das Gesicht unter einer dunklen Kapuze verborgen.

In Bettys Hand zitterte das Smartphone.

Aber bevor sie es entsperren und den Kapuzenmann ablichten konnte, übermannte sie die Feigheit – und ihr Instinkt befahl ihr, zu fliehen.

Doch der Kapuzenmann war schneller!

Er ergriff ihr Handgelenk. Dann zog er Betty in die dunkle Kapelle.

„Warum … du …?“, flüsterte sie ungläubig, als der Kapuzenmann seine Kutte zurückschlug und ihr brutal die Kehle aufschlitzte …

Es waren ihre letzten Worte.

Betty röchelte.

Zwei Sekunden später breitete sich – wie eine erblühende Rose – ein Blutfleck auf ihrem Nachthemd aus.

Sie glitt auf eine Schaufeltrage.

Als Bettys Blick brach, murmelte der Kapuzenmann: „Ein guter Schnitt!“

Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu.

Bis zur Trauerfeier waren es nur noch vier Stunden.

„Wir schaffen das“, flüsterte der Kapuzenmann der Katze zu – „schließlich geht’s um die Überraschung des Jahres …“

 

 

 

„Gott sei Dank läuft alles glatt“, raunte Frau Grau Michael Todd zu.

Gerade öffneten die Bestatterin und ihr glatzköpfiger Angestellter die Kapellentür, und die Trauergemeinde strömte aus dem Bethaus Richtung Friedhof.

Frau Grau und der Totengräber setzten sich an die Spitze der Beerdigungsgesellschaft, die aus Hunderten von Gästen bestand. Dort konnten sie sich leise unterhalten, weil die Glocken ihre Stimmen übertönten. 

Michael Todd war unzufrieden.

Der Glatzkopf musterte seine manikürten Fingernägel, deren einziger Makel schwarze Ränder waren, und näselte leise: „Wenn Frau Greeetel nicht bemerkt hätte, dass die Traueranzeige im Abendblatt falsch war, wäre der Schuss nach hinten losgegangen. Ich verwette meinen Hintern, dass Kisten-Klaus dem Abendblatt nachträglich ein falsches Datum für die Trauerfeier gefaxt hat.“

Frau Grau nickte mit ernster Miene. Dann jedoch hellte sich ihr Gesicht auf: „Aber diesmal hat mein Bruder die Rechnung ohne Frau Gretel gemacht, denn die lässt sich neuerdings immer einen Korrekturabzug schicken. Was würde ich nur ohne sie machen?“

„Aber wo ist …?“, fragte Todd und zog seinen schwarzen Schal enger, weil ihm nun der Winterwind ins Gesicht blies, „wo ist eigentlich Betty Krämer? Sie hatte mir abends gesimst, dass sie Stoltenberg in den Nebenraum der Kapelle schieben würde. Aber seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört.“

„Tatsächlich?“, fragte Frau Grau erstaunt. Dann jedoch wurde sie vom Superintendanten abgelenkt, weil der Redner wissen wollte, wie weit es noch bis zum Grab wäre.

Die Bestatterin konzentrierte sich wieder auf die Trauerfeier.

„Nur noch einmal links, dann rechts und dann wieder zweimal links“, murmelte Frau Grau.

Hinter sich hörte sie Stoltenbergs schluchzende Mutter – aber auch ein leises Zischen.

Die Witwe stritt mit der Geliebten.

„Hoffentlich spielen die beiden gleich nicht das Eifersuchtsduett aus der Dreigroschenoper naaach“, raunte der Totengräber seiner Chefin zu, doch Frau Grau blickte stur nach vorne und rückte dann ihr Hütchen gerade.

Denn je aufgeregter sie war, desto ruhiger wirkte sie.

Aber fünf Minuten später entglitten ihre Gesichtszüge, weil just in der Sekunde, als der Superintendant die Sargträger angewiesen hatte, den Verstorbenen niederzulassen und die Witwe bereits nach der Sandschaufel griff, Cindy Heinicke die Hand hob.

„Stopp!“, rief Stoltenbergs Geliebte. „Ich will Roman nun doch noch mal sehen.“

Die Witwe starrte sie wütend an.

Sie umklammerte die Sandschaufel so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden – und Todd glaubte bereits, dass er das nächste Grab für Cindy Heinicke ausheben musste.

Doch Frau Grau stellte sich in letzter Minute zwischen die Gattin und die Geliebte.

Zuerst wollte sie Cindy beruhigen.

Dann appellierte sie an ihre Pietät.

Doch beide Strategien versagten.

Alsbald verstummten auch die Glocken, und es wurde totenstill.

Und als es zu schneien begann und der Winterhimmel seinen weißen Schleier der Unschuld über die Witwe und die Geliebte ausbreitete, wurde der Sarg von Roman Stoltenberg doch noch mal geöffnet und die Träger, deren Nasen durch Eiseskälte und zu viel Whisky rotviolett verfärbt waren, hoben knurrend den Deckel an.

Dann schrie jemand – und obwohl es zahlreiche Augenzeugen gab, ging alles so schnell, dass später niemand sagen konnte, ob der Schrei Cindy entstammte oder der Witwe.

Weil beide zuvorderst an der Grube standen, sahen sie als Erste, was tatsächlich im Sarg lag. Geschockt blickten sie einander an und drehten sich in Zeitlupe um.

„Wo ist mein Mann?“, fragte die Witwe. „Warum liegt da eine Urne im Sarg?“

„Ist dieses Ding da etwa das künstliche Hüftgelenk von meinem Vater?“, rief Stefan Stoltenberg schockiert.

„Wie ist Roman in diese kleine Vase reingekommen?“, staunte Stoltenbergs dementer Bruder, der in einem Rollstuhl saß.

„Und wer um alles in der Welt“, fragte Cindy, bevor sie auf die Knie sank, „sind die tote Frau und das Baby, die an Romans Stelle in seinem Sarg liegen?“

Die Menschen blickten einander an.

Fassungslos.

Ratlos.

Und völlig entgeistert.

Doch niemand kannte die Mutter und ihr Kind.

 

 

 

Kommissar Groll und sein Assistent Jens Klotz musterten Frau Grau fasziniert.

Der Blick der Ermittler haftete lange an der Frau mit der feuerroten Wallemähne, und nachdem sie die Kommissare mit einem unwiderstehlichen 1000-Watt-Lächeln begrüßt hatte, kostete es Groll viel Kraft, ihren Bann wieder zu brechen.

Denn Frau Grau war ein echter Hingucker!

Groll riss sich zusammen, und behandelte sie endlich wie eine Verdächtige.

Gerade kratzte sich der Kommissar am Kinn und er wiederholte seine Frage zum dritten Mal: „Bleiben Sie wirklich dabei, dass Sie die Tote und das Baby noch nie gesehen haben? Wir haben es hier mit einem dreifachen AGT – also mit einem dreifachen außergewöhnlichen Todesfall – zu tun, und ich habe das Gefühl, dass Sie das Ausmaß unterschätzen.“

Frau Grau nickte: „Ich bin mir ganz sicher.“

„Aber Sie müssen doch zugeben, dass Ihre Aussage faul klingt“, meinte Groll – „schließlich haben Sie der Witwe einen Sarg verkauft, in dem angeblich die Urne mit der Asche eines Toten liegt, der gar nicht verbrannt werden sollte.“

Frau Grau wirkte müde. „Ich weiß wirklich nicht, wie das passieren konnte.“ 

„Warum glauben Sie überhaupt, dass sich Stoltenbergs Asche in der Urne befindet?“

„Ganz einfach“, antwortete die Chefin. „Stoltenberg hatte ein künstliches Hüftgelenk aus Titan. Und das lag gut sichtbar neben der Urne.“ 

„Aber war Ihr Krematorium denn gestern überhaupt in Betrieb?“

Frau Grau kräuselte ihren Mund: „Ich habe gar kein Krematorium. Unter diesem Dach gibt’s nämlich zwei Bestattungsinstitute. Mein Institut liegt in der linken Hälfte. Es heißt ‚Grau Bestattungen 1899’. Die Firma meines Bruders Klaus ist in der rechten Hälfte und heißt ‚Bei Grau liegen Sie richtig – hier trauern Sie nicht um Ihr Geld!’ Klaus besitzt das Krematorium, und wenn ich Tote verbrennen möchte, muss ich das jedes Mal bei ihm anmelden. Doch im Fall von Roman Stoltenberg hatte Klaus keinen Kremierungs-Auftrag.“ 

„Verstehe“, murmelte Groll und kratzte sich erneut am Kinn. „Aber warum gibt’s hier zwei Bestattungsinstitute?“ 

„Hach, ursprünglich waren die beiden Institute ein und dasselbe Unternehmen – und mein Vater und ich haben es nach dem Tod meiner Mutter jahrelang gemeinsam geleitet. Doch als mein Vater ebenfalls starb, hinterließ er meinem Bruder Klaus, der bis dahin als Trucker gearbeitet hatte, die rechte Haushälfte und das Krematorium. Klaus und ich sind zerstritten. Wir sprechen nur noch miteinander, wenn es um Termine für Trauerfeiern in der Kapelle des Innenhofs geht. Denn das Bethaus teilen wir uns.“

„Aber warum haben Sie Krach?“                                                                                 

„Statt mit mir zusammenzuarbeiten, will Klaus beide Institute besitzen. Er will mich kaputt machen, unterbietet meine Preise – und wirbt mit ‚Geiz ist geil‘-Beerdigungen für sein Geschäft.“

„Warum senken Sie die Kosten nicht ebenfalls?“

„Weil ich einen wichtigen, so genannten thanatopraktischen Service anbiete. Das Wort kommt aus dem Griechischen. Thanatos bedeutet Tod.“

„Thanato … was?“

„Ich bin Spezialistin für Hygiene, Chemie, Mikrobiologie und Anatomie. Ich kann kontrollieren, wie sich Tote optisch verändern. Das ist beispielsweise wichtig, wenn Verwandte aus dem Ausland zur Trauerfeier anreisen wollen – und der Tote stabil bleiben muss. Oder bei öffentlichen Beerdigungen und Abschiedsfeiern im Familienkreis. Wir werfen unsere Toten nicht einfach nackt in einen Sarg und lassen obendrein noch alle medizinischen Geräte in ihren Körperöffnungen, wie es oft bei Klaus der Fall ist. Bei uns sieht kein Toter so aus, dass ihm sein Anblick, wenn er noch leben würde, peinlich wäre. Und ich balsamiere Tote ein, wenn es Paragraf 453/2 vorschreibt.“

Die Chefin entzündete eine Zigarette, inhalierte den Rauch und fuhr dann fort. „Manchmal kümmere ich mich auch um Tote, die in ein anderes Land geflogen werden müssen – etwa, weil sie ausländische Touristen sind. Und zu guter Letzt gibt’s noch meine Königsdisziplin.“

„Ihre was?“                                                        

„Meine Königsdiziplin! Meine Einbalsamiererin Betty Krämer, ihr Assistent Fritz Fischer und ich restaurieren Verstorbene, die nach Unfällen oder Chemo oder Strahlentherapien entstellt sind. Das ist psychologisch wichtig, wenn ein Mensch, mit dem gestern noch gearbeitet und gefeiert und gelacht wurde, plötzlich aus dem Leben gerissen wird und er nicht mehr präsentabel ist. Denn 40 Prozent aller Sterbefälle kommen völlig unerwartet – wie im Fall einer Lehrerin, die beispielsweise gerade in meinem Kühlfach liegt. Sie ist mit einem Arm voller Leitz-Ordner von einer steilen Treppe gefallen.“

Groll fragte: „Heißt das, Sie bessern die Toten aus?“

„So würde ich es nicht ausdrücken! Nein, wir machen alle körperlichen Veränderungen, die schwere Krankheiten und der Tod mit sich gebracht haben, rückgängig – weil es den Angehörigen hilft, dann besser mit der Trauer klar zu kommen.“

Klotz schüttelte sich. „Aber wie restaurieren Sie die Toten?“

„Sie kennen doch die Fernsehserie Six Feet Under, oder? Da gibt es einen Einbalsamierer. Wir arbeiten so ähnlich wie Rico, aber wir gehen noch viel weiter. Denn unser Job ist ein Mix aus Wissenschaft und Kunst. Erstens kontrollieren wir, ob es die drei sicheren Todeszeichen gibt, und falls das der Fall ist, geben wir dem Verstorbenen – egal ob er an Krebs gestorben ist oder von einem Hochhaus sprang – wieder ein normales und natürliches Aussehen zurück. Auf meinem Tisch landen Krebstote, Senioren, Exhumierte und ja, auch hochrangige Politiker, die heimlich einbalsamiert werden. Denn in den letzten Jahren hat sich unglaublich viel getan in diesem Bereich! Mittlerweile muss sich niemand mehr von seinen Liebsten hinter einer Glasscheibe verabschieden – und unsere Toten sehen auch nicht so künstlich aus wie die von Kollegen, bei denen die Verstorbenen nur angezogen und eingesargt und dann präsentiert werden. Und zu guter Letzt decken mein Team und ich während des Einbalsamierens manchmal sogar Morde auf, die von den Gerichtsmedizinern und Amtsärzten übersehen worden sind.“

„Wie das?“

„Stellen Sie sich einfach vor, dass nur einer von zwei Armen verwest. Dann wurde dort höchstwahrscheinlich kurz vor dem Tod etwas injiziert, und im Zweifelsfall handelt es sich dabei um ein tödliches Gift.“

Groll rief: „Moment mal! Ich kombiniere … dann könnten die beiden Fremden in Stoltenbergs Sarg ja doch aus Haus Grau kommen. Schließlich waren beide thata-tana-logoisch … hergerichtet. Warum machen Sie so was überhaupt?“ 

„Weil der letzte Blick auf einen restaurierten Toten viele Hinterbliebene vor einem lebenslangen Trauma bewahrt!“

Grolls Assistent polterte: „Dummes Gelaber! Das Gegenteil ist doch der Fall! Ich finde es unmöglich, dass die Trauergäste bei Ihrer verpatzten Beerdigung zwei fremde Tote sehen mussten …“

„Natürlich meine ich das prinzipiell, Herr Klotz! Wenn jemand einen lieben Menschen durch einen Unfall oder einen Schlaganfall verliert und ihn anschließend nicht mal mehr sehen kann, weil ihm sein Bestatter rät, den Toten besser so in Erinnerung zu behalten, wie er zu Lebzeiten war, machen es sich diese Berufskollegen viel zu leicht – und sie führen die Kunden obendrein hinters Licht. Denn wer den Spruch von der Erinnerung runterleiert, hat meistens keine Lust, die Toten wiederherzurichten – und er nimmt billigend in Kauf, dass die Hinterbliebenen anschließend jahrelang leiden!“

„Weshalb?“

„Angehörige und Freunde, die sich nach einem plötzlichen Todesfall nicht mehr von dem Toten verabschieden können, erleben oft sehr seltsame Dinge. Viele glauben jahrelang, dass sie den Verstorbenen immer wieder auf der Straße sehen. Andere haben schlimme Albträume. Ich kenne eine Mutter, die immer noch zu der Unglückstelle fährt, wo ihr Sohn gegen einen Baum gefahren ist – um die Rinde abzureißen. All dem beugen wir vor, indem wir die Toten auf Wunsch restaurieren. Am Ende sehen sie aus, als würden sie schlafen. Übrigens wird das in den USA und Großbritannien bei fast jedem Toten gemacht – und auch in Deutschland nimmt dieser Trend zu.“

„Aber warum haben Sie Stoltenbergs Witwe dann nicht geraten, den Toten noch mal anzusehen?“

„Das habe ich ja“, seufzte die Chefin, „aber sie wollte nicht.“

„Und wo haben Sie den Toten aufbewahrt?“

„In einem unserer Kühlfächer.“

„Aber wer sind die fremden Toten? Wer ist die Mutter, wer das Kind?“

Die Augen der Chefin füllten sich mit Tränen. „Ich habe wirklich keine Ahnung! Ich habe sie noch nie gesehen. Und ich kann es gar nicht fassen, dass jemand einen Säugling ermordet. Welche Bestie tut sowas? Das traue ich nicht einmal meinem Bruder zu.“

Groll musterte die Chefin lange. „Wer hat alles Zugang zu Haus Grau?“

„Jeder meiner Angestellten.“   

„Und wo finden wir Ihren Bruder?“

 „Klaus ist fast immer unterwegs, weil er sehr gut zu tun hat“, mischte sich der Totengräber ein. „Leider weeesentlich besser als wir. Klaus hat nämlich viele Bestattungen des Ordnungsamts an Land gezogen, weil er alle Preise unterbietet. Und sein Ofen ist hochmodern. Er heißt Power-Pak II – und verbrennt die Toten im Drei-Stunden-Takt.“

„Ist das schnell?“, fragte Klotz. Erstmals schien er begeistert zu sein.

„Ja, weil bei Kisten-Klaus alles fabrikmäßig abläuft. Zuerst werden seine Toten in einer kühlen Halle gelagert. Wer links liegt, wird noch vom Amtsarzt untersucht, bevor ihn Klaus anschließend nach rechts schiebt und die Särge in der Warteschlange dann der Reihe nach verbrennt.“

„Klingt effizient“, meinte Jens Klotz, doch sein Chef runzelte die Stirn.

Der Totengräber meinte affektiert: „Ich habe noch gelernt, dass es die Pietät gebietet, Toten die Augen zu verschließen und ihnen die Gesichtszüge zu setzen. Wir behandeln alle Tote, als ob sie unsere Eltern oder Kinder wären. Doch Klaus und sein russischer Gehilfe Petr, der sich selbst Hackepeter nennt, legen sie einfach in ihre Särge – was, nebenbei bemerkt, übrigens immer ein Zeichen einer untergehenden Kultur ist. Man denke nur an die alten Römer oder die Nationalsozialisten. However: Die beiden sind sehr effizient, und sie arbeiten viel ab – aber sie geben sich nur dann Mühe, wenn ein Angehöriger seinen Verstorbenen noch mal sehen möchte. Und falls Klaus unser Geschäft wirklich platt macht, kann er richtig loslegen. Denn Haus Grau hat die perfekte Geschäftslage – in unmittelbarer Nähe gibt’s jede Menge Kliniken, Heime, ein Hospiz und den Friedhof. Aus diesem Grund geht Klaus über Leichen, um uns kaputt zu machen! Und er drückt die Preise nach unten …“

Frau Grau schielte auf Grolls Notizblock und sah, dass er sich „Krieg“ notierte.

Daraufhin nickte die Chefin eifrig und sie rief: „Krieg ist passend. Mein Bruder und ich befinden uns wirklich in einem Krieg, und inzwischen geht’s dabei ums nackte Überleben. Noch habe ich den Vorteil, dass ich auf Massenkarambolagen, Naturkatastrophen, Trauerarbeit und Testamente spezialisiert bin. Aber Klaus holt immer mehr auf. Er stapelt die Leichen, kreuzt überall mit seinem goldenen SUV auf, becirct die Witwen und wirbt mit dem Motto ‚Geiz ist geil’. Offiziell nennt er sich ‚Funeral Planer’, dabei hat er bloß 45 Euro für einen Gewerbeschein auf den Tisch geblättert. Denn Bestatter ist kein geschützter Beruf, und anders als ich hat Klaus den Beruf nicht von der Pike auf erlernt. Heutzutage kann jeder behaupten, dass er Bestatter sei. Man braucht nur den Gewerbeschein, ein Telefon und polnische Sarglieferanten sowie Mietautos zur Abholung.“  

Die Chefin schluchzte.

Michael Todd legte seine Hand auf ihre Schulter und er zischte leise: „Kisten-Klaus betrügt seine Kunden! Schon mal was von Sargbetrug gehört? Nein? Oder von Totenschein-Betrug? Auch nicht? Oder von Pässen toter Flüchtlinge, die korrupte Bestatter an Schleuser verkaufen – nach dem Prinzip der Gesichtsähnlichkeit? Darauf müssten Sie Klaus Grau mal ansprechen. Aber glauben Sie ihm bloooß nicht, wenn er Frau Grau als Halsabschneiderin bezeichnet.“

Die Polizisten schwiegen lange. Ihr Gesichtsausdruck erinnerte Todd an zwei dumme Schuljungen, die „Busen“ gegoogelt und dabei unerwartet auf Hardcore-Pornos gestoßen waren.

Schließlich jedoch schien sich Groll zu erinnern, dass er es mit einem Verbrechen zu tun hatte und er befahl: „Ihr Bestattungsinstitut bleibt vorerst geschlossen. Höchstwahrscheinlich ist es ein Tatort. Meine Forensiker nehmen jetzt alles unter die Lupe. Vielleicht finden wir ja Fingerabdrücke – oder Spuren von Blut …“

Frau Grau protestierte: „Aber das geht nicht, schließlich sind unsere Kühlfächer voll. Wir haben Tote beizusetzen. Das schreibt uns das Bestattungsgesetz vor. Und Blut? Das finden Sie hier überall.“ 

„Es tut mir wirklich leid, Frau Grau – aber Ihre Firma ist nun mal ein Tatort.  Wir können nicht ausschließen, dass die unbekannte Mutter und ihr Kind unter diesem Dach ermordet wurden.“

„Aber kann ich wenigstens noch die Toten beisetzen, die wir in unseren Fächern lagern?“

Groll nickte mit versteinerter Miene. „Sobald wir sämtliche Spuren gesichert und die unbekannten Toten obduziert haben. Außerdem bekommen Sie und Ihre Angestellten eine Vorladung für Einzelverhöre im Präsidium, und wir nehmen Stoltenbergs Asche noch mal genau unter die Lupe. Wann haben Sie die Leiche eigentlich zum letzten Mal gesehen? Und was ist gestern Abend passiert?“

„Das müssen Sie meine Einbalsamiererin fragen, weil sie Stoltenberg als Letzte gesehen hat. Frau Krämer hat ihn gestern eingesargt. Und dann …“

Frau Grau stoppte mitten im Satz und ihr brach der kalte Schweiß aus. Denn in diesem Moment wurde ihr zum allerersten Mal bewusst, dass die Beerdigung des Jahres in Wirklichkeit die Katastrophe des Jahres war, und sie rief mit hoher Stimme: „Mein Gott! Wenn sich die Geschichte von Stoltenbergs Verbrennung wie ein Lauffeuer verbreitet und man mir obendrein einen Doppelmord an einer Mutter und ihrem armen Würmchen unterschiebt stehe ich ja vor dem Bankrott. Und Klaus hätte sein Ziel erreicht!“

Groll zuckte müde mit den Schultern.

„Aber wo finde ich diese Einbalsamiererin? Diese Betty Krämer?“

Frau Grau zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung! Mein Mädchen für alles ist spurlos verschwunden …“

 

 

Der Sarg durchbrach die Nebelwand auf dem Fleet um 16 Uhr.

Eine eierpunschtrinkende US-Touristin sah das unheimliche Objekt, das über die tiefschwarze Oberfläche unter der Trostbrücke glitt, als Erste.

Einen Moment lang glaubte die Amerikanerin, dass es sich dabei um eine Attrappe handelte oder um Dreharbeiten für einen Horrorfilm wie Wenn die Gondeln Trauer tragen, doch als der Sarg bereits fast an ihr vorbeigeglitten war und immer noch kein Kamerateam auftauchte, erkannte Donna Miller aus Ohio, dass sie gerade Zeugin einer Weltsensation war, die schon bald Instagram auf den Kopf stellen könnte.

„Eine Million neue Follower“, frohlockte die Hausfrau und fast wäre ihr das Handy entglitten angesichts der erregenden Aussicht, demnächst jedes Detail über den unheimlichen Sarg in großen Talkshows erzählen zu können.

Donna gelangen sensationelle Schnappschüsse von dem mit weißem Taft ausgeschlagenen Sarg und der strahlend schönen Dornröschen-Blondine – und tatsächlich würde CNN die Hausfrau Monate später, als noch mehr schwimmende Särge aufgetaucht waren, als Kronzeugin ins Studio einladen.  

Ende Dezember jedoch, als noch niemand ahnte, dass Hamburgs Formalin-Morde schon bald weltweit für Entsetzen sorgen würden, suchte Donna Miller nach den richtigen Worten für ihren Instagram-Horror-Post und entschied sich für „#Hamburg: Sleeping beauty´s last trip“ .

Die Hausfrau postete das Foto der Toten dermaßen schnell, dass die ersten Kommentare bereits aufploppten, als der Sarg mit der Toten die Winternebelwand noch nicht einmal durchbrochen hatte, um wieder hinter ihr zu verschwinden.

„Hammer“, sagte Donna Miller zu sich selbst, und legte eine Hand auf ihr klopfendes Herz. „Das ist der absolute Hammer!“ 

Die Bilder der Touristin aus Ohio verbreiteten sich wie ein Virus im Netz.

34 Minuten später fiel einem Japaner auf, dass die Tote keine Schauspielerin war – denn nachdem er das Foto heranzoomte, sah er, dass man ihr die Kehle aufgeschlitzt hatte.

Und die tote Betty Krämer, aber auch Donna Miller – und selbst der detektivisch begabte Japaner – wurden zur Instagram-Sensation des Tages.

 

 

Auch Connie Dizius staunte über das Sargfoto im Internet.

„Diese Frau hat großes Pech gehabt“, sagte sie zu ihrem nackten Spiegelbild, „daran musst du immer denken, wenn du dich mal wieder selbst bemitleidest.“

Connie prostete sich selbst zu und sie kippte einen Likör hinunter. Das süße Gesöff schmeichelte ihrer Kehle. Deshalb genehmigte sie sich direkt den nächsten.

Sie zeigte dem Spiegel das Foto. „Was meinst du?“, fragte sie ihr birnenförmiges Ebenbild, das sich ihr mitleiderregend – mit schmalen Schultern, kleinen Brüsten, mehreren Rettungsringen und einem sehr dicken Hintern – in seiner ganzen Unansehnlichkeit präsentierte. „Ob diese tote Frau zu Lebzeiten auch ein lächerliches Nichts war, das von allen übersehen wurde? Und ob es ihr wohl auch so dreckig ging wie mir? Bestimmt wurde sie ebenfalls von den Gläubigern ihres verschwundenen Ehemanns gejagt und bedroht – und zuletzt hat man ihr die Kehle aufgeschlitzt. Und bestimmt war sie auch arbeitslos – und ihr blieben, genau wie mir, nur die Schulden und der Behördenfrust und eine mickrige Bude in der 17. Etage in einem Hartz-IV-Hochhaus in Mümmelmannsberg. Wie soll man sowas bloß verkraften?“

Connie starrte ihr entblößtes Spiegelbild an, als würde sie tatsächlich eine Antwort erwarten, und den nächsten und übernächsten Likör kippte sie so schnell hinunter, dass ihre strähnige, blonde Haarmähne dabei zweimal nach hinten flog.

„Duuuu“, sagte sie und tippte mit dem Zeigefinger auf die Oberfläche des Spiegels, „eines musst duuu wissen. Diese tote Frau da in dem Sarg, das könnte ich sein – wenn es nicht einen Unterschied zu der blonden Tussi gäbe, und das sind meine Oberschenkel. Denn ich frage mich wirklich …“, sie lachte laut und genehmigte sich erneut zwei Drinks, „wie man eine 115-Kilo-Frau wie mich in einen so kleinen Sarg bekommen soll.“

Connies schwerhörige Nachbarin klopfte mürrisch gegen die dünne Trennwand der Nachbarwohnung.

„Ist ja schon guuuuuuut!“, brüllte Connie zurück. „Bald schaue ich mir die Radieschen sowieso von unten an! Lasst mich einfach meine Abschiedsdrinks kippen! Rest in peace, Connie!“

Nach dem nächsten Drink scannte sie ihre schäbige Behausung.

Zwischen all dem nutzlosen Plunder gab es tatsächlich noch Dinge, die Connie an bessere Zeiten erinnerten. 

So sah sie ein Porträt ihrer Eltern, die sie milde anlächelten.

Und ihr eigenes Hochzeitsfoto …

Beim Anblick von Juan brach der Verlust ihres brasilianischen Ehemannes, der nun schon seit über einem Jahr verschwunden war, mit voller Wucht über sie herein und Connie spürte den altbekannten Kloß im Hals.

Sie schluchzte hemmungslos und fragte sich zum tausendsten Mal, wo Juan war und wie es ihm ging und warum er spurlos verschwunden war.

Jetzt war sie allein.

Pleite.

Verschuldet.

Verlassen. 

Hartz IV.

Gänzlich ohne Lebenssinn.

Und Juans Gläubiger waren ihr auf den Fersen. „Die Spucke“ war der Schlimmste von allen. Vor kurzem hatte ihr der Anführer einer radikalen Gang, der bei jedem Wetter einen bodenlangen, weißen Hermelinmantel trug, eine aufgeschlitzte Ratte in den Briefkasten gesteckt und ihr außerdem eine Frist gesetzt: „20.000 Euro bis zum 14. Januar! In bar! Sonst bist du so tot wie die Ratte!“

Connie schluckte. Mit der „Spucke“ war nicht zu spaßen.

Doch der Reeperbahn-Gangster war nicht ihr einziges Problem.

Innerhalb des letzten Jahres hatte sie außerdem 55 Kilo zugenommen.

Nun wog sie 115 Kilo bei einer Größe von 1,65 Meter, hatte stets geschwollene Füße und Oberschenkel, die sich bei jedem Schritt wund rieben. Sie konnte es selbst nicht fassen!

„Diese Frau da auf dem Foto“, lallte sie ihrem Spiegelbild zu und kippte den vorletzten Likör hinunter, „diese tote Frau im Sarg – das wirst du sein, wenn du dich nicht aufraffst, und dein Leben neu organisierst. Heute in einem Jahr musst du endlich wieder clean sein. Aber wenn du es nicht schaffst, dann gib‘ dir an Silvester die Kugel! Abgemacht, Connie?“

Die betrunkene Spiegelbildfrau nickte ernst.  

Nach dem Schwur starrte Connie auf das Porträt ihrer Mutter, und sie imitierte ihre Stimme: „Du stirbst wirklich, wenn du dein Leben nicht in den Griff kriegst. Aber nur über meine Leiche. Such dir endlich einen Job. Investier deine letzten Kröten in einen Frisörbesuch, lass dich aufpeppen, geh zum Arbeitsamt und hör auf zu jammern. Du bist selbst schuld, dass du vor einem Scherbenhaufen stehst – weil du dir immer die falschen Kerle aussuchst und dein Glück regelmäßig mit dem Hintern einreißt. Außerdem musst du vor der ‚Spucke’ fliehen. Such dir ein Versteck. Und sag dem Alkohol bye bye!“

Die nackte Frau im Spiegel nickte langsam.

„Versprochen“, lallte Connie.

Sie prostete sich selber zu, und kippte ihren letzten Likör.  

Nun war die Flasche endlich leer.

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Bald erscheint mein neuer Krimi "Die Einbalsamiererin"

Wenn ein Mensch stirbt, nimmt er seine dunkelsten Geheimnisse mit ins Grab – wenn er Glück hat. Denn bevor er zu Staub wird, kümmern sich Bestatter um ihn. Doch als Leiche liegt man nicht bei jedem richtig …

Hamburg/St. Pauli: Plötzlich schwimmen offene Särge mit Mordopfern auf den Fleeten. Kommissar Groll verdächtigt das Beerdigungsinstitut „Haus Grau“, in die Verbrechen verstrickt zu sein. Hier hat die versoffene Hartz-IV-Empfängerin Connie gerade ihre letzte Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen – für 450 Euro im Monat. Widerwillig hilft die übergewichtige Mittdreißigerin den Bestattern und Einbalsamierern bei der Arbeit – und kombiniert, dass der Mörder tatsächlich in „Haus Grau“ arbeitet. Doch wer ist er? Der Totengräber Mr. Todd? Der dubiose „Kisten-Klaus“? Oder gar die Chefin und Chemie-Expertin Frau Grau? Als Connie beim Einbalsamieren auf Spuren stößt, die von den Gerichtsmedizinern übersehen wurden, gerät sie selbst ins Visier des Mörders …

Eine rätselhafte Mordserie … Ein geheimnisvolles Pferd … Und ein verdächtiges Bestattungsinstitut …

Früher oder später landen wir alle bei Bestattern – egal, ob wir begraben, verbrannt oder verstreut werden. Doch was passiert wirklich hinter den Kulissen dieser Branche? Das wissen nur Bestatter selbst. Und bald auch Sie! Denn nach der Lektüre dieses Krimis sehen Sie den Tod und diejenigen, die täglich mit ihm zu tun haben, mit anderen Augen – und kennen die Antworten auf Fragen wie diese: Gibt es den perfekten Mord? Wie kommen Bestatter mit den ganzen Tragödien klar, die sie sehen? Wie werden optisch angegriffene Leichen – etwa nach dem Sprung von einem Hochhaus oder einer langen Chemotherapie – wieder vorzeigbar gemacht, und warum gehen Thanatopraktiker dafür in den Baumarkt? Welche Gifte täuschen einen natürlichen Tod vor – und welche sind nicht nachweisbar?

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"Die Flockenleserin" auf Spanisch

"Terminal" heißt die spanische Übersetzung von Manuel Sanchéz Sanchéz von "Die Flockenleserin".

Und so sieht das Cover aus:

 

Vielen vielen Dank an Manuel!!

 

 

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Die ersten Rezensionen von "ZERO"

Seit dem 11.11.2015 ist "Zero – Ein Serienkiller wird gejagt" als Taschenbuch und E-Book im Handel.

Anbei die ersten Rezensionen:

 

5***** von der Amazon Top 100-Rezensentin Miki101.Michaela:

"Zero – ein Serienkiller der ganz besonders niederträchtigen Art …

...unterstützt von einem geradezu diabolischen Einfallsreichtum in Sachen Menschen-Vernichtung.
Ich habe diesen gut konzipierten und geschriebenen Thriller mit leicht übernatürlichem Touch in einer Nacht auslesen müssen, da ich ab einem bestimmten Punkt ZERO unbedingt entlarvt sehen wollte! Das spricht bei MIR eindeutig für die Qualität.

Die Story bewegt sich auf zwei Zeit-Ebenen. Anfangs im Jahre 2003, als Facebook noch die Zukunft war, und Daten-Zusammenführung im Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Später dann im Jahr 2014. Der Schauplatz ist eine Art "Geisterhaus", das - wie viele seiner Art - seine Geheimnisse gerne bis zum bitteren Ende bewahren mag. Und manche auch darüber hinaus...
Die Protagonisten/innen sind fast alle ziemlich psychopathisch veranlagt bzw. zumindest anfangs so angelegt. Auch gibt es wenig Sympathieträger im "Black House", in das Gustav Goulue als Undercover-Agent eingeschleust wird. Doch trennt sich scheinbar mit der Zeit die Spreu vom Weizen. Bis es halt wieder eine unerwartete Wendung gibt, und so geht das bis zur Entlarvung des personifizierten Bösen. Die recht bewegte Handlung beschränkt sich anfangs rein auf das Gebäude und die Umgebung, außer in den Gedanken der Protagonisten, bei den Rückblicken bzw. den Flashbacks. Auch sind esoterische Elemente enthalten, die dem Helden später einen ganz besonderen Touch verleihen...
Auf Hochspannung wird hier großen Wert gelegt, und auch wenn die Handlung sich manchmal wie quälend langsam bewegt, dient das einzig und allein dem Steigern des Interesses. Am Ende wird allerdings der Fluch der Familie und des Hauses nicht aufgehoben. Das lässt dem Autor Mike Powelz - bekannt durch seine wirklich tolle und faszinierende Die Flockenleserin - auch Raum für ein weiteres Buch um die Personen, die am Ende überlebt haben...
Ein durch und durch fesselndes Buch, in dem es nicht unbedingt um Rache geht, sondern um das totale Sich-Ausleben eines komplett psychopatischen Soziopaten. Im Durchziehen des übrigens zeitweise ziemlich absurden Planes setzt ZERO sich hier absolut keine Grenzen. Das mag für die einen originell und anziehend wirken, andere könnten sich jedoch durchaus auch von gewissen Aktionen abgestoßen fühlen. Über die Handlung - auf deren Anfang bereits in der Buchbeschreibung eingegangen wird - möchte ich keine Worte mehr verlieren. Sonst kämen sicher auch Spoiler dabei heraus.
Dieses Buch sollte schon mit Konzentration gelesen werden, denn sonst entgehen einem kleine, aber wichtige Hinweise. Obwohl es ziemlich schwer, ja fast unmöglich sein dürfte, ZERO vor dem rasanten Ende zu entlarven. Denn das Monster muss unter den täglichen Bewohnern des "Black House" sein, das wird einem schnell klar. Doch das WER und WIE sind ausgesprochen schwierig zu ergründen.
Ein Thriller, der es in meinen Augen echt wert ist, gelesen zu werden. Auf manche esoterische bzw surreale Einblenden sollten die Leser/innen aber gefasst sein.
Nachdem ich das Buch jetzt zum zweiten Mal, und noch intensiver gelesen habe, kann ich hier guten Gewissens die verdienten 5 ***** Sterne vergeben. Es ist für alle Fans von Thrillern im allgemeinen, aber ganz speziell für Liebhaber/innen derer mit leicht übernatürlichem Einschlag zu empfehlen. Damit möchte ich nur sagen, dass es doch mehr zwischen Himmel und Erde geben kann, als wir je erahnen könnten. Und DAS ist auch gut so...


5**** von der TOP-500-Rezensentin "Babsi:
"Sehr spannend und nervenaufreibend"

2003: Nachdem der 100 jährige Jacob Chamber von einem Serienmörder getötet wurde, schleust der Secret Service den Undercover Agenten Gustav Goulue in den Haushalt ein, um dem Täter auf die Spur zu kommen und weitere Mordopfer zu verhindern. Dennoch fällt kurz darauf nicht nur auch Jacobs Frau Sissy dem Mörder zum Opfer, es verschwinden auch noch einige Mitglieder der Familie und Dienerschaft spurlos.

2014: Obwohl sein Job beim Secret Service gekündigt wurde, lebt Goulue immer noch in Black House. 11 Jahre lang war es relativ ruhig, aber plötzlich überschlagen sich die Ereignisse erneut und der Serienmörder von damals schlägt wieder zu. Diesmal will ihn Gustav endlich stellen und geht dabei ein tödliches Risiko ein.......

Bei diesem Thriller handelt es sich um einen Pageturner der besonderen Art. Bis auf die Passage, in der die Bewohner des Black House sehr detailliert vorgestellt werden ( einzig dieser Teil war ein bisschen zäh - wie sich aber später herausstellen wird, dennoch notwendig ), konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.
Hält sich anfangs die Spannung noch ein bisschen in Grenzen, steigt sie sukzessive an und ist am Ende kaum noch zu ertragen. Das animiert mich normalerweise zum "Schnelllesen", aber gerade dieser Thriller ist dafür absolut nicht geeignet.
Dafür ist die Geschichte zu komplex, die Thematik zu variantenreich und die Hinweise auf den Mörder, der sich unter den Bewohnern des Black House befinden muss, zu gut versteckt. Jedes kleine Detail ist wichtig und die Entlarvung am Ende der Geschichte war nicht nur absolut überraschend für mich, sondern auch logisch nachvollziehbar.

Anders als in vielen Thrillern, legt der Autor nicht allzu viel Gewicht auf "sympathische" Charaktere oder einen Held a la Hollywood. Beinahe jeder hat auch eine dunkle Seite, die teilweise sehr plastisch geschildert wird. Aber gerade das fand ich auch faszinierend - man wusste nie wem man trauen kann, und wem nicht.

******Achtung Spoiler******

Besonders beeindruckt hat mich der Epilog der Geschichte - da glaubt man, alles hat sich in Wohlgefallen aufgelöst und die Überlebenden der Familientragödie haben endlich Frieden gefunden - dann kommt zum Schluss noch der dicke, und völlig unerwartete, Hammer !

******Spoiler Ende*********************

Sprachlich ist der Roman ebenfalls sehr gut. Er ist flüssig geschrieben und es gibt nur wenige Grammatik- und Rechtschreibfehler - bis, ja bis kurz vor dem Ende. Da muss die Lektorin die Lust am Korrigieren verlassen haben. Ab ca 93% des Romans mehren sich Satzstellungsfehler, aber ich werde deswegen keinen Stern abziehen, weil mich die Geschichte ansonsten absolut überzeugen konnte.

Fazit:

ein Thriller, der mich aufgrund seiner Vielschichtigkeit überzeugen konnte. Zudem ist er der erste THRILLER, der auch gleichzeitig ein "whodunit" Krimi ist, bei dem man zum Miträtseln eingeladen ist ( auch wenn es schwer sein dürfte, auf den tatsächlichen Mörder zu kommen).

 

 
 
5***** von Judith E.:
 
 
Ich bin eine Vielleserin und in den letzten Jahren ist so einiges zusammengekommen. Rezensionen schreibe ich nur, wenn ein Buch besonders gut oder grottenschlecht war. Vielleicht hilft es ja jemanden. Auf ZERO war ich schon sehr gespannt, da ich davor schon die Flockenleserin von diesem Autor gelesen habe. War ein besonders gutes Buch. Also ZERO ist ein Thriller, wie ich noch keinen davor gelesen habe. Nichts ist 08/15. Kein wie so oft vorkommendes Kommissarenteam, dem keine Herausforderung zu groß ist und keine blutrünstige oder perverse Handlung, bei der man sich schon manchmal fragt welchem kranken Gehirn sie entsprungen ist.
Die Handlung von ZERO ist durchgehend spannend, stilistisch gut geschrieben und ich konnte nicht den kleinsten Hinweis auf den Täter erkennen. Die Charaktere, die teilweise total schräg sind, sind so gut beschrieben, dass man glauben könnte die Person zu kennen. Mich hat die Story gefesselt und ich hab das Buch (zum Leidwesen sämtlicher Familienmitglieder) in ganz kurzer Zeit ausgelesen. Aus meiner Sicht eine absolute Kaufempfehlung.
 
 
 

 

 

 

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Einladung zur Lesung in Stuttgart

Anbei eine Einladung zur Lesung in Stuttgart:

Datum: 18. Januar 2016, 19 Uhr

Ort: Hospiz St. Martin in Stuttgart-Degerloch, Jahnstraße 44-46 , Stuttgart, Deutschland 70597

Veranstalter: Katholische Hospiz-Stiftung Stuttgart und Hospiz St. Martin in Kooperation mit dem Lions Club Alte Weinsteige

Infos: www.hospiz-st-martin.de

Lieben Gruß,

 

 

 

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Podiumsgast bei der Hessischen Landesvertretung in Berlin

Am 13. November 2014 lud die Hessische Landesvertretung in Berlin zum ersten Teil des Themenabends der sich der aktuellen Diskussion eines gesetzlichen Verbots organisierter Formen der Sterbehilfe widmet. Es kamen Betroffene – Ärzte, Palliativschwestern und Angehörige – zu Wort.

Zur Video-Aufzeichnung der Podiumsdiskussion geht's hier:

Vom Lebensschutz am Lebensende

 

 

 

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"Die Flockenleserin" als Hörbuch

Jetzt gibt's "Die Flockenleserin" als Hörbuch.

Länge: 15 Stunden und 22 Minuten.

Sprecherin: Caroline du Fresne.

Eine Hörprobe finden Sie hier:

Zur Hörprobe

Zum Hörbuch

 

 

 

 

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"Zero – die Jagd auf einen Serienkiller" (erscheint Ende 2015)

Tatort San Francisco – ein Mordhaus namens "Black House".

In Todesangst bittet der 100-jährige Multimilliardär Jakob Chambers den Secret Service um Hilfe. Angeblich trachtet ihm ein Serienkiller nach dem Leben.

Doch bevor Agent Gustav Goulue unter dem falschen Namen "Daniel Kennedy" in Black House eingeschleust werden kann wird Jakob Chambers heimtückisch ermordet.

Kurz darauf stürzt Jakobs Ehefrau Sissi in einen Liftschaft und die restlichen Bewohner und Diener schweben ebenfalls in Lebensgefahr. Agent Goulue heftet sich an die Fersen des Psychopathen.

Dann jedoch verliebt er sich in die schöne Luna Chambers.

Als die Morde des Serienkillers immer grausamer werden entbrennt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Doch Goulue tappt in eine tödliche Falle …

 

 

 

 

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Die Flockenleserin ist auf Hawaii angekommen

"Terminal" – die englische Übersetzung von "Die Flockenleserin" – ist nun schon seit zwei Monaten auf den weltweiten Amazon-Plattformen erhältlich.

Aus Hawaii kam nun eine tolle Rezension von der Universitätsprofessorin Ronaele Whittington ("University of Manoa"):

Manual for understanding death in a hospice setting

Besides the fascinating novel about murder, much of the content could be used as a manual for understanding death and dying in a hospice setting. Powetz describes a number of terminal, medical conditions impacting different age groups in a variety of socio-economic, psycho-sexual, and family constellations. Most of the information emerges via dialogue between and among residents, their families, professional and caregiving staff. The story line taking place in Germany enhances exploration of hospice care in Europe and North America. Powetz explores some religious and spiritual frameworks for understanding death and after life. A reader may need to insert his/her personal beliefs to broaden this dimension.

 

 

 

 

 

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Einladung zur Lesung in Lübeck

Anbei eine Einladung zur nächsten "Flockenleserin"-Lesung:

Wann? Donnerstag, 8. Oktober 2015, 18.00 Uhr

Wo? Gemeindehaus Lutherkirche, Moislinger Allee 96, Lübeck

 

 

 

 

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Einladung zur Frankfurter Buchmesse

Meet & Greet

Halle 3.0 - K31

18.10.2015

13.00 - 14.00

Freue mich auf schöne Begegnungen!

 

 

 

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Hörbuch "Die Flockenleserin" ab 9.12 im Handel

Unter folgendem Link finden Sie den ersten Trailer vom Thono-Audio Verlag zum Hörbuch "Die Flockenleserin" - eingelesen von der wunderbaren Caroline du Fresne. 

http://www.youtube.com/watch?v=PzeqfVrOTpM 

 

 

 

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Pressemitteilung Deutsche PalliativStiftung

Fulda, 29.10.2014

“Die Flockenleserin. Ein Hospiz, 12 Menschen, ein Mörder“ verpackt das Tabuthema „Sterben“ als spannenden Krimi.

Am 6. März 2013 erschien der Hospizkrimi „Die Flockenleserin“ erstmals als E-Book bei Amazon – und entwickelte sich durch Mundpropaganda zum Bestseller. Deshalb wird der Kriminalroman, der laut Autor Mike Powelz (43) eine „heimliche Gebrauchsanleitung für das Sterben“ ist, am 6. Dezember 2014 neu vom Verlag Amazon Publishing veröffentlicht – als Taschenbuch (9,99 Euro) sowie E-Buch (4,99 Euro). Außerdem erscheint der Roman, für den Powelz seinen Vater im Münsteraner Hospiz „Lebenshaus“ sowie zwölf Menschen im Hamburger Hospiz „Leuchtfeuer“ beim Sterben begleitete, im ersten Quartal 2015 als Taschenbuch und E-Book in den USA, England und Kanada (Titel: „Terminal“.) Die Rechte für das deutsche Hörbuch liegen beim Thono Audio Verlag. Das Vorwort zur „Flockenleserin“ wurde verfasst von der mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichneten Kriegsreporterin Antonia Rados, eine zweites Einführung steuert die Rückführerin Ursula Demarmels bei.

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Hospizkrimis? „Es gibt gefühlte Tausend Ratgeber zum Thema Geburt“, bilanziert der Hamburger Chefreporter Mike Powelz – „doch was bislang leider fehlte, war ein ehrliches Buch, das sich mit dem ‚Abenteuer Sterben’ beschäftigt und alle psychologischen, mentalen sowie medizinische Fragen beantwortet, die sich jeder Mensch am Lebensende stellt. Dazu zählt auch der Begriff ‚Flockenlesen’ – eine Handlung, die viele Menschen auf dem Sterbebett vollziehen. Während des Flockenlesens zittern die Hände von Todkranken unruhig mit den Händen über der Bettdecke.“

Inhaltlich geht es um die 84-jährige Minnie, die ein Zimmer im fiktiven Hamburger Hospiz ‚Haus Holle’ bezieht – und dort zwölf Mitbewohner kennenlernt, etwa einen Freimaurer, eine Ex-Schönheitskönigin, ein lesbisches Ehepaar sowie eine Hundezüchterin und einen Ex-Politiker. Alle Gäste sind todkrank. Plötzlich jedoch sieht Minnie eine unheimliche Gestalt durch das nächtliche Haus huschen – und erkennt nach einem Doppelmord sowie dem Erstickungsfall eines weiteren Gastes, dass ein Serienmörder sein Unheil treibt und es ein verstecktes 13. Zimmer gibt. Leider jedoch werden Leichen niemals obduziert in Hospizen. Folglich heftet sich die alte Dame selbst an die Fersen des nächtlichen Mörders – und begegnet dabei einem Kater, der den Tod riechen kann. Alles läuft hinaus auf einen Wettlauf gegen die Zeit – und gegen das eigene Sterben. Auf dem Sterbebett kommt es zur letzten Konfrontation zwischen Minnie und ihrem Mörder.

„Ich kaufte das Buch mit dem Vorsatz, es kritisch auseinander zu pflücken – und verschlang es. Es hat mich sehr beeindruckt.“, so Angelina Verhorst, Leiterin des Johannes-Hospizes Münster. Auch die Ärzte-Zeitung „Medical Tribune“ fällt ein positives Urteil: „Die Flockenleserin“ unterhält, berührt und macht nachdenklich. Der Autor schafft es mit seinem Buch, dem Tabuthema Sterben etwas von seinem Schrecken zu nehmen. Darüber hinaus vermittelt er mal ernsthaft, mal augenzwinkernd, gut recherchierte Einblicke in den Alltag der Menschen im Hospiz - Bewohner und Betreuer.“
Thomas Sitte, Vorstand der Deutschen PalliativStiftung: „Kürzlich habe ich erstmals bewusst den Prozess des Flockenlesens bei einem sterbenden, kleinen Mädchen gesehen. Durch das Buch konnte ich der Mutter wichtige Fragen beantworten. Und es hat sie sehr beruhigt. Das ist schon verrückt. Fast 40 Jahre begleite ich Sterbende – und kannte das Flockenlesen nicht bis zum Lesen des Buchs.“


Derzeit ist Mike Powelz auf Lesereise: Am 29.10.2014 liest der Autor in Hamburg, am 18.11.2014 in der Berliner Volksbühne, am 21.11.2014 in Bonn. Die komplette Terminübersicht findet sich auf mike-powelz.com sowie bei Facebook („Die Flockenleserin“). Über seine Homepage lässt sich Mike Powelz zudem buchen für weitere Charity-Lesungen zugunsten von deutschen, österreichischen und Schweizer Hospizen. 



Alle Informationen und Zitate nur bei Nennung der Quelle „Deutsche PalliativStiftung“ (DPS) frei zur Veröffentlichung. Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Thomas Sitte.

 

 

 

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Die Flockenleserin, Amazon Publishing

Erst Weiß, jetzt Schwarz: Die neue "Flockenleserin"

Liebe Leute,

so sieht das neue Cover von "Die Flockenleserin" aus (ab dem 9.12.14 im Handel). Source: Amazon Publishing.

Lieben Gruß!

 

 

 

 

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Vom Sachbuch zum Krimi

Großes Dankeschön an die Journalistin Désirée Warntjen für Ihren schönen Artikel über "Die Flockenleserin".

Nur eine Korrektur: Der Nachfolgeroman ist noch nicht - wie von der Journalistin geschrieben - fertig, sondern es ist lediglich die Recherche beendet.

Artikel aus dem Jeverschen Wochenblatt vom 30. August 2014

 

 

 

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Wettlauf mit dem Tod im Hospiz

Heute in NWZ Online:

Jever „Tod ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft“, sagt Mike Powelz, Autor und Journalist aus Hamburg, auf dem Dachboden des Friedel-Orth-Hospizes in Jever. „Deswegen habe ich darüber nachgedacht, wie ich darüber reden kann und dabei möglichst viele Menschen erreiche. Die Antwort ist: Mit Unterhaltung. Und die meisten Menschen fühlen sich zurzeit durch Krimis unterhalten.“

Powelz stellte jetzt sein Buch „Die Flockenleserin: Ein Hospiz, 12 Menschen, ein Mörder“ in Jever vor. Er hat einen eigenen Bezug zu Tod und Hospiz, denn sein Vater starb in einem Hospiz. Powelz selbst und auch seine Eltern kommen als Nebendarsteller im Buch vor. Als Recherche hat der Autor zwölf Menschen im Hospiz begleitet, die ihn für seine Charaktere im Roman inspiriert haben.

Während der Lesung zeigte er eine Diashow mit Bildern, die seine Eltern, ihn und die Menschen im Hospiz zeigen, die er dort begleitete.

In dem Krimi geht es um Minnie, die Krebs im Endstadium hat und ins Hospiz „Haus Holle“ kommt, nachdem klar ist, dass man ihre Krankheit nicht heilen kann. Das Hospiz liegt in Hamburg, direkt neben der Reeperbahn, und ist tagsüber hell und freundlich.

Doch nachts gehen merkwürdige Dinge vor sich. Minnie sieht nachts einen unheimlichen Kindgreis durch die Gänge des Hospizes huschen und am Tag danach liegt ein Ehepaar, das zu den Patienten des Hospizes gehört, tot im Bett. Die alte Frau ist fest davon überzeugt, dass ein Serienmörder hinter den mysteriösen Todesfällen steckt – es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Minnie ist ja selbst sterbenskrank.

„Die Flockenleserin“ ist zurzeit nicht im Handel erhältlich, da das Buch ins Englische übersetzt wird. Aber ab Dezember wird es die Neuauflage kaufen geben. Die Recherchen von Powelz für ein zweites Buch sind mittlerweile abgeschlossen.

Zum vollständigen Artikel auf NWZ ONLINE geht's hier.

 

 

 

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10 Termine für Lesungen in 2014

 

In den folgenden zehn Städten gibt es im Jahr 2014 noch Lesungen aus "Die Flockenleserin":

 

Los geht's in Jever am 21. August - am Vorabend der Eröffnung des Kinder- und Jugendhospizes in Wilhelmshaven: Infos hier.

 

Am 10. September folgt eine Lesung in Hamburg-Harburg, organisiert vom Lions Club. Ort der Veranstaltung: http://leuchtturm-harburg.de/

 

Im Oktober finden vier Lesungen statt: Zuerst am 17.10., in Gifhorn. Am 19. 10. lese ich im Rahmen der Sonntagsmatinée in Aschaffenburg, am 24. Oktober in Twistringen.

Am 29.10.2014 findet um 20 Uhr eine Lesung statt für das Hamburger Hospiz für den Süden – im Kulturcafé "Komm du" in Harburg. Anmeldung: hier.

 

Am 6. November findet eine Lesung in Elmshorn statt.

 

Am 18. November ist Hauptstadtpremiere in Berlin, die Lesung findet in der Volksbühne statt zugunsten des Ricam-Hospizes.

 

Im Dezember gibt es die zwei Schlusslesungen für 2014: Am 3.12. in Ahaus (Club 55 plus), am 4.12. in Münster (Katholische Frauengemeinschaft).

 

Herzliche Grüße!

 

 

 

 

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"Die Flockenleserin" goes USA

Vielleicht wissen Sie schon, dass Amazon künftig auch ein Verlag sein wird – und nicht mehr ein reiner Internet-Shop.

Mein Vertrag beinhaltet, dass mein Roman - der weltweit erste Hospiz-Krimi "Die Flockenleserin" - am 9. Dezember 2014 neu verlegt als Paperback, Hardcover und E-Book in Deutschland erscheint. Bis dahin wird er korrigiert und lektoriert.

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Mike Powelz

@mikepowelzJournalist